Jahrmarkt der Künste

von Redaktion

Die Pinakothek der Moderne bekommt einen neuen Ort namens Flux

Diese Brache vor der Pinakothek der Moderne wird sich von 26. Juni an verwandeln – in einen Ort namens Flux. © Marcus Schlaf

Das verspricht, kreativ und bunt zu werden – und für ordentlich gute Laune zu sorgen. Die britische Künstlerin Morag Myerscough gestaltet Flux als „begehbare Skulptur“. © Marcus Schlaf

Die Schotterebene gehört unauslöschlich zu München, aber Markus Michalke, Vorsitzender der Stiftung Pinakothek der Moderne, wollte sich damit nicht abfinden; zumindest nicht mit der vor seiner geliebten PDM. Da der bayerische Staat seit 2002 deren zweiten Bauabschnitt bis heute nicht in Angriff genommen hat und ihn wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes totschweigen möchte, blieb an der Gabelsbergerstraße eine Brache. Die wird jedoch ab 26. Juni auf fünf Jahre verwandelt werden: in eine Mischung aus Jahrmarkt, Biergarten und Erlebnispark mit Buden, Pavillons, Freiflächen, Baumhaus und Pflanzbereich. Der Name dieses „Dritten Orts“ der dritten Pinakothek ist Flux.

Das Projekt wurde gestern im Haus der vier Museen, Sammlung Moderne Kunst, Die Neue Sammlung – The Design Museum, Staatliche Graphische Sammlung sowie Architekturmuseum der TU, vorgestellt und ist ausdrücklich ein Gemeinschaftsunternehmen des Quartetts mit der Stiftung, unterstützt von der Kirch-Stiftung. Man wolle „mit einem Lächeln in die Welt gehen“, so Michalke. Was bedeutet, dass „der Ort für alle offen sein soll“. Man wünscht sich ein Mitgestalten, natürlich mit Bezug zum Haus. Der Stiftungsvorsitzende weiß, dass man mit und aus dem Gemeinschaftspark wird lernen, sein Eigenleben wird ausprobieren müssen. 1,5 Millionen Euro habe man für die „relativ hohen Investitionskosten“ eingesammelt.

Eva Tillig, die die Projektleitung übernahm, berichtet davon, dass 18 Künstlerinnen und Künstler eingeladen worden waren, Ideen zu liefern. Die Jury habe sich einstimmig für die „begehbare Skulptur“ der Britin Morag Myerscough (Jahrgang 1963) entschieden. Die Künstlerin selbst stellte mit Charme und pädagogischem Eros sich selbst, ihre Arbeitsweise und Flux vor: von der Familie – prägend, kreativ, bunt – über das Arbeiten gern mit anderen zusammen und im öffentlichen Raum – Zugehörigkeit, kreativ, bunt – bis zu München. Ja, ebenfalls kreativ und bunt. Bei uns werden lockere Holzbauten, die vom Wintergarten-Café der Pinakothek der Moderne bis zu den Kastanien draußen wuchern und vor Farb-Geoformen strotzen, im ZusammenWerkeln entstehen und sich entwickeln.

Veranstaltungsmanagerin Sarah Karuga gibt einen Vorgeschmack. Es wird von den Museen kuratierte Angebote geben und solche, die Partner frei unternehmen, ob Handwerk, Tanz oder Nachbarschaftstreff. Vieles ist kostenfrei, es gibt keinen Verzehrzwang auf dem Gelände; Öffnungszeit wohl von 9 bis 22 Uhr. Jetzt schon werden Kurse in der PDM durchgeführt, natürlich von Morag Myerscough inspiriert.

Angelika Nollert von Die Neuen Sammlung (DNS) und Oliver Kase von der Sammlung Moderne Kunst heben nicht nur in diesem Zusammenhang hervor, dass 2025 „ein Jahr der Meilensteine“ für die Pinakothek der Moderne sei. Man arbeite „gemeinsam“ (was ja seit Anbeginn immer wieder eingefordert wurde!), und „die Attraktivität des Hauses wird auf ein neues Level gehoben“, was „die Aufenthaltsqualität“ angehe. Das untermauert neben Flux die große Schau „4 Museen, 1 Moderne“ (sic!) ab 4. April, die die aufregende Aufbruchszeit zwischen den Weltkriegen erforscht. Sie wird für uns Heutige enorm aktuell und mahnend sein, denn ausgerechnet diese Hoffnungsphase stürzte in die Menschheitskatastrophe.

Zu den PDM-Höhepunkten zählt naturgemäß das Jubiläum des Designmuseums, das bereits mit der neuen Glas-Abteilung und der Küchen-Schau daraufhin arbeitete. „100 Jahre DNS – 100 Objekte“ (ab 22. Mai) wird außerdem davon erzählen, wie man sammelt: etwa eine ganze Metro-Station der Pariser Belle Epoque. Noch mehr Gemeinschaft erfordert die „Begegnungsmusik“ von Rupert Huber ab 6. Juni in der Rotunde, die die Besucher durch ihre Bewegungen komponieren werden. Und Gemeinschaft entsteht in einem anderen Mitmachen, unterstützt durch Vermittlungsangebote. Damit die noch verlockender sind als bisher, stellt man sich mit „Open 4“ komplett neu auf.
SIMONE DATTENBERGER

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