Pianist Igor Levit äußerte sich auch zur AfD. © Felix Broede
Die Übergabe der von der Hamas ermordeten Mitglieder der Bibas-Familie an Israel hat den jüdischen Pianisten Igor Levit zutiefst wütend gemacht. „Ich kann seit einer Woche nicht ans Klavier“, sagte er am Donnerstagabend bei einem jüdischen Jugendkongress in Hamburg. „Ich bin sehr froh, gerade keine Konzerte zu haben. Ich kriege diese Bilder nicht aus dem Kopf.“
Schiri und Jarden Bibas waren mit ihren kleinen Kindern Kfir und Ariel am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas aus einem israelischen Kibbuz in den Gazastreifen entführt wurden. Ihr Schicksal wurde in Israel zum Symbol für die Grausamkeit der Hamas und ihrer Verbündeten. Levit kritisierte, dass das Schicksal der Familie in Deutschland und in vielen anderen Ländern auf Ignoranz stoße. „Ich war bei einer Mahnwache in Berlin, da waren 80 traurige Menschen.“ Das sei „fast niemand“, obwohl die Veranstaltung Tage vorher angekündigt gewesen sei.
Angesprochen auf die Bundestagswahl sagte Levit, der Erfolg der AfD sei nicht überraschend. Alle Zahlen seien seit Monaten bekannt gewesen. „Diese Wahl ist für mich ein Kontinuum von dreieinhalb beschissenen politischen Jahren.“ Er habe keine Lust mehr, sich über die AfD „den Mund fusselig zu reden“. Parolen, Aufrufe und offene Briefe hätten zu nichts geführt. „Entweder es wird eine bessere Politik gemacht, oder diese Leute werden immer stärker.“
KNA