ALBUM

Schuberts dunkle Zeit

von Redaktion

Es ist die Zeit, als ihm seine schwere Krankheit bewusst wurde. Und trotzdem fand Franz Schubert immer wieder zu zuversichtlichen Momenten in seinen Liedern – wiewohl 1824 und 1825 die Abgründe tiefer und breiter klafften. Samuel Hasselhorn widmet sich dieser Zeit auf seinem dritten Schubert-Album, das Teil eines groß angelegten Zyklus ist. Neigte Hasselhorn in seiner „Schönen Müllerin“ noch zur Überzeichnung, ist nun alles im Lot. Erstaunlich bei ihm: die enorme Ausdrucksbandbreite, ohne dass er jemals ins Dozieren geriete. Dramatische Lieder wie „Auflösung“ oder „Die Allmacht“ gestaltet der Bariton fast mit alttestamentarischer Wucht, Intimeres wie „Wanderers Nachtlied“ mit Zärtlichkeit ohne Larmoyanz. Musterhaft ist bei Hasselhorn die Verbindung von Textausdeutung und Legato. Pianist Ammiel Bushakevitz spielt so variantenreich, als handle es sich um Orchestrierungen im Klaviergewand. Dass Hasselhorn seine Stimme gern hört, merkt man. Aber uns geht‘s ja genauso.
TH

„Licht und Schatten“.

Samuel Hasselhorn, Ammiel Bushakevitz (harmonia mundi).


★★★★★ Hervorragend

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