Auf ein dreifaches Jubiläum kann Marianne Rosenberg anstoßen: 70. Geburtstag, 55 Jahre auf der Bühne – und vor 50 Jahren kam ihr Mega-Hit „Er gehört zu mir“ heraus. © imago stock
Marianne Rosenberg feiert dieses Jahr ein Triple. Neben ihrem 70. Geburtstag wird einer ihrer größten Hits „Er gehört zu mir“ 50 Jahre alt – mit dem Ohrwurm wurde sie auch zu einer Ikone der queeren Community. Zudem steht die Sängerin stolze 55 Jahre auf der Bühne. „Ich habe viel zu feiern. Das ist vollkommen verrückt“, sagt sie. Zunächst steht am kommenden Montag aber erst mal der runde Geburtstag der gebürtigen Berlinerin an. „Ich setze mich nicht unbedingt damit auseinander, dass die Zeit vergeht. Zeit vergeht ja auch nicht. Wir vergehen“, betont sie. „Ich hadere damit nicht.“ Eigentlich sperre die Gesellschaft Dinge wie das Älterwerden aus. Einerseits wolle keiner altern, aber andererseits keiner früh sterben.
Entdeckt wurde Rosenberg bei einem Nachwuchswettbewerb, als Teenagerin landete sie mit „Mister Paul McCartney“ vor 55 Jahren ihren ersten Hit. Songs wie „Marleen“, „Ich bin wie Du“ oder „Liebe kann so wehtun“ folgten in den Siebzigerjahren. Die eingängigen Discobeats machten sie zu einer der bekanntesten Schlagersängerinnen.
Doch auch, wenn diese Zeit sehr erfolgreich für sie lief: In Interviews betont die Tochter des Auschwitz-Überlebenden Otto Rosenberg, langjähriges Vorstandsmitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, dass sie zu Beginn ihrer Karriere fremdbestimmt wurde. „Ich konnte mich nicht einbringen, ich habe nichts erfunden, bis hin zur Kleidung“, erzählt sie rückblickend. Das habe alles die Plattenfirma gemacht. Mittlerweile hätten sich die neuen Generationen viel mehr freigeschwommen. „Im Hip-Hop-Bereich gibt es Stars wie Shirin David. Das sind Powerfrauen, und sie sind ganz anders aufgestellt.“
In den Achtzigern wollte sie aus diesen Plattenverträgen heraus. Seither hat sie viel experimentiert – mit Rock, Chanson, Jazz, Techno, Punk und Pop. Ihr Album zum 50. Bühnenjubiläum produzierte sie mit ihrem Sohn Max, es landete 2020 auf Platz 1 der deutschen Charts. Poppig klingt auch ihr aktuelles Album „Bunter Planet“. Am 14. März, kurz nach ihrem Geburtstag, erscheint eine Jubiläumsedition der Platte – unter anderem mit einer Balladenversion von „Er gehört zu mir“ im Duett mit ESC-Star Conchita Wurst. Nicht zuletzt dieser Hit aus den Siebzigern ist für viele schwule und lesbische Menschen eine Hymne für soziale Emanzipation. „Zu dieser Zeit war das alles andere als akzeptiert, und das war so ein Mega-Hit, dass alle Männer das singen konnten, was sie gefühlt haben, ohne dass sie sich outen mussten, ohne dass sie Angst haben mussten“, sagte Conchita Wurst 2024 in der Vox-Sendung „Sing meinen Schlager“ zu Rosenberg.
Der von Männern geschriebene Song kam 1975 heraus und hat mit seinen einprägsamen Zeilen wie „Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür“ mittlerweile Kultstatus. Dabei habe sie damals nicht an einen Mann gedacht, erzählt Rosenberg, sondern etwa an Songs der US-amerikanischen Disco-Sängerin Gloria Gaynor („I will survive“). Im November geht Rosenberg auf Club-Tour. „Na ja, was soll ich sagen? Rod Stewart ist 80 und geht auf Tour. Ich sage also dann: Jetzt erst recht.“
SABRINA SZAMEITAT