Zwischen Aufruhr und Hoffnung

von Redaktion

Daniel Harding gastierte beim Symphonieorchester des BR

Daniel Harding am Pult im Herkulessaal. © Ackermann

Dass ein frühes Werk Mendelssohn Bartholdys neben einem späten von Mahler bestehen kann, bewies Dirigent Daniel Harding bei seinem Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal. Rasch wurde deutlich, dass der junge Romantiker Mendelssohn seine Symphonie später nicht wegen musikalischer Mängel ablehnte, sondern wohl aus Enttäuschung darüber, dass niemand sie aufführen wollte.

Die „Reformationssymphonie“, komponiert zum 300. Jahrestag der Augsburger Konfession, fesselte vom seidenweich-dunklen Beginn bis zum finalen Tutti-Bekenntnis, dem Luther-Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“. Dabei beeindruckte zunächst das Aufgewühlte, Aufrührerische des ersten Satzes – durchsetzt mit kurzen balsamischen Momenten und dem wundersamen „Parsifal“-Motiv, das Mendelssohn ebenso (wie nach ihm Wagner) dem „Dresdner Amen“ entnahm. Agogisch und dynamisch belebt, erklangen nicht nur das heitere Scherzo, sondern auch der langsame Satz, in dem sich das Holz über die sanften Streicher erhob. Bläser-Fanfare, Fugato und Choral vereinten sich schließlich im Finale.

Statt einer Neunten komponierte Mahler zwischen 1907 und 1909 zunächst „Das Lied von der Erde“, das in vielen Farben und mit unzähligen instrumentalen Feinheiten von Leben und Tod erzählt. Bei Harding und den höchst animierten BR-Symphonikern blieb kein Detail unbeachtet, hielt die Spannung über Generalpausen hinweg, wurden im Schlusslied Auflösung und Zerrissenheit ebenso beschworen wie die zarte Hoffnung: „Ewig, ewig!“ Den herausfordernden „Abschied“ gestaltete Fleur Barron, deren Mezzo zuvor etwas unruhig klang, mit Ruhe und Intensität. Den vokalen Höllenritt, den Mahler dem Tenor zumutet, absolvierte Andrew Staples mit bewundernswerter (Ausdrucks-)Kraft, mit signalhafter Höhe und vorzüglicher Diktion.
GABRIELE LUSTER

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