Nicht bloß zur Fastenzeit

von Redaktion

Heftiger Jubel für „Fettes Schwein“ im Teamtheater

Heimliche Liebe: Helen (Lena Schlagintweit) und Tom (Simon Wenigerkind). © R. Haas

Woher kennt man sie nur, all diese Jennys „aus der Buchhaltung“ oder diese Nicks „von der Entwicklungsabteilung“? Nein, nicht aus dem richtigen Leben, sondern aus dem Fernsehen: In US-Serien kommen sie massenhaft vor; oder in jenen bis zur Schmerzgrenze kunstgewerblichen Broadway-Stücken, die in den USA als Theater gelten. Folglich lässt auch Broadway-Autor Neil LaBute im „Bodyshaming“-Drama „Fettes Schwein“ (2004) überwiegend Jennys und Nicks auftreten.

Einer von ihnen ist der Frauenschwarm Tom (Simon Wenigerkind), der mal was mit Jenny (Alexandra Hacker) hatte, sich aber plötzlich sehr ernsthaft – mit Seele und so – in Helen (Lena Schlagintweit) verliebt. Die ist Bibliothekarin und wird von Leuten, die nicht ins Fettnäpfchen treten wollen, offiziell verschämt als „mollig“ bezeichnet, privat aber unverschämt als „fettes Schwein“. Weil es in Toms Milieu der erfolgsorientierten Yuppies, die halt doch bloß Angestellte sind, als Schande gilt, dick zu sein, traut er sich nicht, Helen seinen Freunden und Kollegen vorzustellen. Die durch Nick (Adrian Spielbauer) aber Wind von der Sache kriegen und sich über das Paar lustig machen – bis Tom dem Gruppendruck nicht mehr standhält und die Freundin seiner beruflichen Existenz opfert. Was zeigt: Nicht Helens Gewicht ist das Problem, sondern Toms soziale Stellung, denn als Boss wäre ihm das nicht passiert.

Zumindest insofern gehen uns die US-amerikanischen Middle-Class-Schweinereien von vor 20 Jahren auch hier und heute noch was an – nicht bloß in der Fastenzeit. Zudem gelingt es Regisseur Philipp Jeschek, diesen szenischen Schinken durch Komik genießbar zu machen: Weil er, quasi als Verschlankungsmaßnahme, auf einer schlichten Stufenbühne ohne Requisiten spielen lässt, müssen die Akteure manuelle Handlungen wie Fenster öffnen oder Essen durch Pantomime darstellen. Oft kapiert man zwar nicht, was mit den Verrenkungen gemeint ist, aber gerade das macht die Aufführung so erfrischend lebensnah. Heftiger Jubel.
ALEXANDER ALTMANN

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heute, 15., 19. und 20. März. Tickets unter 089/ 26 06 63 6.

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