Ein Schwarm im Frack: Andera Berg im Kreise ihrer Tänzer. Beim München-Konzert zog sie sechs verschiedene Outfits an. © ABR-Pictures
Andrea Berg erfüllte in der ausverkauften Münchner Olympiahalle drei Wünsche auf einmal, wie früher in der Ü-Ei-Werbung: „Party, Hits, Emotionen.“ Das ist das Motto ihrer aktuellen Tour. Und sie hat Wort gehalten beim großen Berg-Fest. Selbst wer mit ihrer Musik weniger anfangen kann, muss zugeben: Die Frau ist eine Schau. Am Ende sang die Halle „Oh, wie ist das schön“. Das war nicht einmal gelogen, und schon gar nicht tausendmal.
Vor fünf Jahren war sie zum letzten Mal zu Gast in der Olympiahalle, bei einem der letzten Konzerte vor dem pandemiebedingten Lockdown. Seitdem hat sich die Welt verändert – aber die Berg überhaupt nicht. Nächstes Jahr wird sie 60, ihre Beine sehen weiterhin aus wie 30, ihre Kleider wie 20. Und sie nimmt sich nach wie vor wunderbar unernst. „Die Liebe? Da muss die Mutti sich jetzt mal drum kümmern. Pass auf!“, erzählt sie ihren Münchner Fans, die die Mutti selbstverständlich duzt. Bei ihr heißt das „Hömma!“ und „Schauma!“ und „München, sing!“. Die bodenständige vormalige Arzthelferin aus Krefeld kann und will sich nicht verleugnen.
Ihr Impresario DJ Bobo hat ihr diesmal eine schlichte Bühne mit großer Videowand hingestellt, auf der Captain Berg völlig losgelöst ins Weltall abhebt. „Mein Sternenschiff ist startklar“, verspricht sie. Dazu passt ihr erstes von sechs Outfits – ein weißer Barbarella-Fummel, molto sexy. Trotzdem ist ein schwarzer Frack die coolste Klamotte des Abends – die sie per Trickkleider-Simsalabim in ein kleines Rotes eintauscht. Andrea Berg ist lustig und gern auch schrullig, wenn sie über ihren Gatten verrät: „Uli und ich, wir haben drei Enkelkinder. Ich muss mit Opa ins Bett. Und die Enkel sagen immer, Oma macht Lala.“
Lala macht sie natürlich auch, mit Hits ohne Ende – von den Gefühlen, die keine Schweigepflicht haben, bis zum „Kilimandscharo“. Aber die Musiker bleiben bei diesem Konzert weitgehend anonym. Und wenn die Königin mit dem Kaiser, mit Roland auf der Leinwand, Joachim Heiders Schlager-Kunstwerk „Dich zu lieben“ singt, zeigt sich doch, dass die Berg-Hits im Vergleich eher mittelkomplex sind. Das stört das begeisterte Publikum beim Spaßhaben aber kein bisschen. Münchens prächtigste Schlagerparty: Mutti schafft das.
JÖRG HEINRICH