Diese Aufnahme von Charles Gounods „Faust“ ist durch verschiedene CD-Labels gewandert. Erhältlich ist sie gottlob noch immer, schließlich handelt es sich um eine Referenzeinspielung. Das liegt vor allem an Nicolai Gedda in der Titelrolle. Ein Stilist, wie es ihn nie wieder gab. Und ein Tenor, der sich mit vollendeter Technik auch durch unbequeme Lagen bewegte. Dazu kam bei dem gebürtigen Stockholmer eine fast perfekte Diktion: Gedda singt nicht nur auf dieser Aufnahme genauso authentisch wie französische Kollegen. Beim Bulgaren Boris Christoff ist das nicht ganz der Fall, dafür entschädigt sein wuchtiger, für den Mephistopheles passender Bass. Victoria de los Angeles ist eine beseelte, innigliche Marguerite. Und André Cluytens bürgt mit Chor und Orchester der Pariser Oper ebenfalls für Klangkultur: Wo andere das Stück zu operettig begreifen oder zu dramatisch aufdonnern, glückt Cluytens eine souverän dosierte Deutung.
TH
Gounod:
„Faust“. Orchestre du Theatre National de l‘Opéra de Paris, Andre Cluytens (Line).
★★★★★ Hervorragend