München – Demenz wird oft mit alten Menschen in Verbindung gebracht. Doch auch immer mehr jüngere Patienten leiden am Abbau ihrer geistigen Leistungsfähigkeit. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leben in Deutschland etwa 100 000 Menschen im Alter zwischen 45 und 64 Jahren mit einer Demenz-Erkrankung. „Der Trend geht hin zu einer Zunahme der Diagnosen auch bei jüngeren Patienten“, bestätigt Privatdozent Dr. Jens Benninghoff, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin im kbo-Isar-Amper-Klinikum in Haar.
Über die Hintergründe wird in der Wissenschaft spekuliert. Genetische Faktoren dürften eine Rolle spielen. Diskutiert werden aber auch Umwelteinflüsse. So könnten beispielsweise erhöhte Konzentrationen von Mikroplastik in der Nahrungskette einen Einfluss bei der Entstehung von Demenz haben.
Fakt ist, dass sich eine Demenz bei jüngeren Menschen zumindest in der frühen Phase oft anders bemerkbar macht als bei älteren Patienten. „Bei jüngeren Menschen sind es erstmal vergleichsweise selten Gedächtnisstörungen, die im Alltag besonders auffallen. Solche Einschränkungen werden oft noch von einer kognitiven Reserve überdeckt“, weiß Benninghoff. Stattdessen komme es eher zu Auffälligkeiten im Alltagsverhalten. „Es können vermeintlich gedankenlose Handlungen sein – wenn beispielsweise ein Vater seinen Kindern nasse Kleidungsstücke anzieht, die nach dem Waschen noch nicht getrocknet sind“, nennt der Mediziner ein Beispiel. „Bei einer frontotemporalen Demenz, von der es anfangs ja hieß, dass auch Bruce Willis darunter leide, können auch Kontrollverluste auftreten, etwa extrem aggressives Autofahren mit wilden Beschimpfungen gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern oder unverschämte beziehungsweise anzügliche Bemerkungen im Berufsleben.“
Bei einer frontotemporalen Demenz gehen Nervenzellen im Stirnhirn (Frontallappen) und im Schläfenlappen (Temporallappen) unter. Die Patienten sind oft jünger als Menschen, die an Alzheimer als häufigster Demenzform erkranken.
Gerader bei jüngeren Patienten sei eine gründliche Diagnostik sehr wichtig, rät Benninghoff. Dazu gehöre neben Magnetresonanz- beziehungsweise Computertomografie (MRT/CT) auch eine Nervenwasseruntersuchung. „Darin lassen sich bereits recht früh typische Alzheimer-Parameter nachweisen.“
Insbesondere bei älteren Menschen ist die Verunsicherung oft groß, ob sie an Alzheimer erkrankt sein könnten. Erste Anhaltspunkte kann ein Schnelltest liefern: Sie bitten die Testperson, sich drei Begriffe zu merken, etwa Auto, Blume und Kerze. Dann lassen Sie Ihr Gegenüber das Zifferblatt einer Uhr mit den zwölf Stundenstrichen malen. Bitten Sie nun darum, eine bestimmte Uhrzeit einzuzeichnen, zum Beispiel 11.10 Uhr. Ist das geschafft, soll der Gefragte die anfangs genannten drei Begriffe nennen. „Weiß die Testperson nur noch einen oder gar keinen Begriff mehr und hatte noch dazu Probleme beim Zeichnen der Uhrzeit, sollte man mal einen Termin in einer Gedächtnissprechstunde vereinbaren“, rät Benninghoff.
ANDREAS BEEZ