Happy Birthday, Bruce!

von Redaktion

Unser Korrespondent erinnert sich an das letzte Interview mit dem Filmstar

Er feiert seinen 70. Geburtstag, doch ob er das selbst noch realisiert, ist fraglich. Der schwer demenzkranke Bruce Willis begeht den Tag laut seiner Tochter Scout deshalb im engsten Kreis seiner Familie. In meinen 25 Jahren in Hollywood hatte ich das Privileg, den Lieblings-Actionstar meiner Jugend ein Dutzend Mal interviewen zu können. Auch wenn er manchmal bei Presse-Gesprächen sarkastisch bis mürrisch sein konnte, war meine Herkunft ein Vorteil. Denn seine Mutter Marlene stammte aus Kassel, ich aus der Nachbarstadt Göttingen. Weshalb ich, wenn er mich denn wiedererkannte, ein akzentfreies „Guten Tag“ zur Begrüßung bekam.

Mein letztes Interview in Person mit Willis, gut ein Jahr vor der Pandemie, ist mir in guter Erinnerung geblieben. Eigentlich sollte er für seinen damaligen Film „Glass“ werben. Doch weil er in dem Horror-Streifen noch einmal eine Wiedervereinigung mit Samuel L. Jackson, seinem Co-Star aus „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ feierte, sprach ich „Die Hard“ an. Er verriet mir: Auch über 30 Jahre nach der Premiere von Teil 1 sprechen ihn noch immer Fans auf der Straße mit dem Namen seines legendären Cops an: „Das passiert öfter, als du denkst. Leute halten mich auf der Straße an und wollen ein Bild mit ‚John McClane‘“.

Willis lachte, als ich ihn fragte, ob er sich seit 1988 verändert habe: „Ich hatte auf jeden Fall noch keine Falten, bin aber glücklich, dass ich sie heute habe. Mir gefiel mein Gesicht damals nicht, einfach zu viel Babyspeck.“ Fast hätte er seine Paraderolle damals ablehnen müssen, weil er vertraglich an seine TV-Serie „Das Model und der Schnüffler“ gebunden war: „Doch dann ist Cybill (seine Filmpartnerin Cybill Shepherd) zum Glück schwanger geworden und es gab eine dreimonatige Drehpause.“ Der Rest ist Hollywood-Historie.

Willis gab zu, dass es mit dem Ruhm zu Beginn seiner Karriere schwierig war: „Ich war ehrlicherweise ein Klugscheißer, mit dem nicht gut Kirschen essen war. Doch inzwischen habe ich genug Selbstwertgefühl, dass ich mich nicht mehr aufspielen muss.“ Das späte zweite Kinderglück mit seiner zweiten Ehefrau Emma Heming hatte laut Willis einen sehr positiven Einfluss auf ihn. Zu Hause wurde er zum Komiker, „weil es meine größte Aufgabe ist, meine Girls zum Lachen zu bringen – und sie natürlich über alle Maße zu verwöhnen.“ Anders als früher konnte er seine jüngeren Töchter in seinen Lebensmittelpunkt stellen: Als seine Tochter Mabel ihn bei Dreharbeiten in Rom anrief und vermisste, flog er im Privatjet sofort heim – „weil mir die Rolle als Vater am wichtigsten ist!“

Dass er nur Töchter hat – mit Ex-Frau Demi Moore hat er seine drei ältesten – machte ihm nie etwas aus. Ob er nie darüber nachgedacht hatte, wie es wäre, plötzlich nur Jungen zu haben? Willis hob abwehrend die Hände: „Ich würde jederzeit noch mehr Töchter haben, wenn ich die Wahl hätte. Meine Girls sind so selbstständig wie jeder Boy und lassen sich von niemandem den Mund verbieten. Das liebe ich so an ihnen!“ Zum Schluss verriet Willis sogar, die Kosenamen seiner Girls für ihn: „Für sie bin ich Dadd-o oder Pops.“ Alle fünf feiern ihn heute. Happy Birthday, Bruce!
CHRISTIAN THIELE

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