Irgendwann wird man Plácido Domingo wohl von der Bühne tragen müssen. Denn ans Aufhören denkt der Publikumsliebling selbst mit 84 Jahren noch lange nicht. Beim jüngsten Auftritt in der Isarphilharmonie waren nun weitgehend dieselben Nummern zu hören, die er schon 2023 im Rahmen der Opernfestspiele gesungen hatte. Also die Altersrollen aus dem Bariton-Fach sowie spanische Zarzuelas, bei denen er seinen ganzen Charme ausspielen konnte. Begleitet wurde er dabei von den Münchner Symphonikern, die unter Jordi Bernácer gute Figur machten. Ebenso wie María José Siri, die als Tosca abräumte. Mittlerweile erinnert das Ganze aber doch leicht an die nie wirklich endende Abschiedstour von Montserrat Caballé. Auch bei Domingo geht es schon lang nicht mehr ums hohe C, sondern um das Event an sich. So durfte er bereits vor der ersten Note wieder minutenlang im Applaus der Fans baden. Und dass der Ohrwurm „Granada“ bei den Zugaben nach unten transponiert wird, ist man inzwischen auch gewohnt. Den kurzen Texthänger hingegen nicht. Aber selbst das wurde von Domingo so selbstironisch überspielt, dass es am Ende natürlich trotzdem Blumen regnete und das Publikum begeistert von den Sitzen sprang.
TOBIAS HELL