Durchdrehen mit Harry Mozart

von Redaktion

David Garrett spielt ein umjubeltes Konzert in der ausverkauften Olympiahalle zum Auftakt seiner Welttournee

Beseelter Ausdruck: David Garrett. © Martin Hangen

Zum Tanzen muss er sie auffordern. Sieben Stücke lang hat das Publikum in stiller Andacht dem Geigenspiel von David Garrett gelauscht. „Ihr dürft auch aufstehen und tanzen“, ermuntert der 44-Jährige seine Zuhörer nach den ersten Takten von „Wake me up“ mit einem Augenzwinkern, und mit einem Mal stehen alle. An mangelnder Begeisterung liegt die Zurückhaltung nicht: Es wird viel gejubelt und laut applaudiert am Donnerstagabend. Vielleicht ist es die Ehrfurcht vor dem Stargeiger? Oder die Tatsache, dass man bei Konzerten mit Orchester sonst vornehmlich sitzt.

Der Auftakt zur „Millenium Symphony“-Welttournee hätte für David Garrett kaum besser laufen können. „Ausverkaufte Halle, ich dreh durch!“, ruft er begeistert. Und legt den beseelten Gesichtsausdruck den ganzen Abend nicht mehr ab. An die 10 000 Besucher sind laut Veranstalter gekommen, um die neuen Arrangements zu hören. „Wir haben eine fantastische Show für euch vorbereitet“, verspricht Garrett gleich zu Beginn des Konzerts. Und hält Wort.

Neben seiner Liveband unter Leitung von Gitarrist Franck van der Heijden hat er ein Orchester in die Bühnendeko integriert: Streicher und Bläser sitzen in einem großen Quader mit zwölf Kammern zwischen den beiden riesigen Leinwänden, auf denen der Geiger mal vom Wüstensand umspielt wird („Naughty Girl“) und mal ein riesiges Cartoon-Äffchen tanzt („Dance Monkey“). Was sich David Garrett bei der Inszenierung seiner Interpretationen weltberühmter Hits gedacht hat, erfährt das Publikum zwischen den Liedern.

Und erhält einen Einblick, was seine Versionen bekannter Popsongs inspiriert. Harry Styles’ „As it was“ vergleicht er in seiner Leichtigkeit mit einem Rondo von Mozart, Ed Sheerans „The Joker and the Queen“ spielt er im Stil von Rachmaninow, und „Take me to Church“ von Hozier stattet er mit Kirchenglocke und Orgel aus. Klassik findet mit Beethoven und einem Anriss der fünften Symphonie im Medley einen Platz, das er kurz vor dem offiziell letzten Song, „Shake it off“, darbietet. Natürlich geht es nicht ohne Zugabe, und da erhebt sich das begeisterte Publikum. Ganz ohne Aufforderung.
KATHRIN BRACK

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