In seine Schranken verwiesen wird der Bischof (Dieter Fischer) von seiner Haushälterin (Ursula Maria Burkhart). © Alvise Predieri
Irgendwas ist diesmal anders, wenn man die Komödie im Bayerischen Hof betritt. Natürlich sind da wieder die üblichen Ehrengäste und das Blitzlichtgewitter. Aber neben dem zarten Duft von Chanel No. 5 und reichlich Haarspray steigt einem im Foyer urplötzlich auch Weihrauch in die Nase. Denn die Premiere von „Kardinalfehler“ entführt uns in ein nicht näher benanntes bayerisches Bistum, wo der bevorstehende Besuch des Papstes die Glocken und die Herzen höher schlagen lässt.
Ganz vorn mit dabei ist natürlich der den weltlichen Genüssen alles andere als abgeneigte Bischof selbst. Verkörpert von Dieter Fischer, der in seiner Jugend irgendwann einmal Ministrant gewesen sein muss, so gut, wie er den frömmelnden Tonfall draufhat. Zu dumm nur, dass er durchs Auftauchen der Studentin Emma an eine laue Sommernacht in Ruhpolding erinnert wird, deren Konsequenzen den Papst-Besuch gewaltig ins Wanken bringen könnten. Ebenso wie die geplante Rede eines jungen Priesterseminaristen.
Ein Dorn im Auge ist dieser progressive Unruhestifter vor allem dem erzkonservativen Generalvikar. Wunderbar verachtenswert gespielt von Joachim Vollrath, der die zwei Charakterzüge seiner Rolle gekonnt auslotet. Den bibeltreuen Moralapostel ebenso wie den herzlosen Karrieristen, der längst vergessen hat, dass Eitelkeit und Lügen sich nicht immer wegbeichten lassen. Vollrath und Fischer spielen sich da gegenseitig perfekt die Bälle zu, wenn es gegen potenzielle Feinde wie Atheisten, Feministen oder Vegetarier geht. Komplettiert wird die scheinheilige Dreifaltigkeit schließlich durch Ralf Komorr. Er ist als Beauftragter des Vatikans zwar darauf bedacht, dass „seine Firma“ in den Medien jung und modern daherkommt. Aber freilich nur, solange innerhalb der Kirchenmauern alles so bleibt wie immer und die Machtpositionen der alten weißen Männer nicht hinterfragt werden.
Trotz unglaublich hoher Pointendichte spart man da nicht mit berechtigter Kritik. Etwa an den zahlreichen Vertuschungsversuchen, mit denen die katholische Kirche über die Jahre viel Vertrauen eingebüßt hat. Und wenn dann tatsächlich eine junge Frau „mit der üblichen Pauschale“ von 5000 Euro zum Schweigen überredet werden soll, bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Gut so, gehört es doch zur Natur des Boulevardtheaters, sich über menschliche Schwächen und Doppelmoral lustig zu machen. Davor schützt auch keine Bischofsmütze.
Zumindest nicht für das Autorenduo Alistair Beaton und Dietmar Jacobs oder für Regisseur René Heinersdorff, der hin und wieder noch zusätzlich Salz in die Wunden streut. Und obwohl es mit der Rolle der Frau in der katholischen Kirche nach wie vor problematisch ist, darf vor allem Ursula Maria Burkhart als schlagfertige Haushälterin Wiebke so manche Weisheiten raushauen, mit denen sie die Herren in der Soutane nachdrücklich in ihre Schranken verweist.
Wie es für alle Beteiligten genau ausgeht, sei hier natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es kommt nicht ganz so, wie man es laut Klischeehandbuch vielleicht meinen könnte. Denn „Kardinalfehler“ ist ein Stück, das sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregt. Was will man von einem Theaterabend mehr?
TOBIAS HELL
Vorstellungen
bis 11. Mai, Telefon 089/ 29 28 10, www.komoedie-muenchen.de.