Singen, blödeln, trinken

von Redaktion

„The Choir of Man“ im Deutschen Theater erzielt mit einfachen Ideen maximale Wirkung

Choir-of-Man © The Other Richard

Als Gast im Pub darf man sich bei „The Choir of Man“ fühlen – inklusive echtem Gerstensaft. © The Other Richard

Freibier für alle! Eine Zapfanlage befindet sich auf der Bühne des Deutschen Theaters in München. Wer früh genug den Saal betritt, kann sich bei den schon eifrig zechenden Darstellern am Pub-Tresen einen Steinkrug gefüllt mit den Erzeugnissen einer bekannten Münchner Brauerei abholen. So etwas kommt offenbar heraus, wenn sich ein paar Kerle zusammentun und ihre ganz speziellen Einfälle für ein Musical umsetzen.

Dabei sind ihre auf den ersten Blick bestechend schlichten Ideen so charmant, dass Alkohol gar nicht nötig wäre, um bei „The Choir of Man“ schnell in Stimmung zu kommen. Neun Männer, Stammgäste und Personal eines typisch irischen oder schottischen Pubs namens „The Jungle“, verbringen einen Abend in ihrer Lieblingskneipe und proben, da alle im selben Freizeitchor, ein paar Lieder. Mehr ist es eigentlich nicht, was Produzent und Regisseur Nic Doodson sich mit Autor Ben Norris und dem musikalischen Leiter Jack Blume für das Edinburgh Fringe Festival 2017 einfallen ließ.

Passenderweise startet man mit „Welcome to the Jungle“ von Guns N’ Roses. Dazu wird geblödelt und Karten gespielt. Maximal alberne Witze kommen zum Einsatz. Genauso, wie man sich das vorstellt, wenn Männer unter sich sind. Frauen spielen eine erstaunlich kleine Rolle. In den Songs geht’s um die große Liebe, an die man noch glaubt, weniger um die Angetraute daheim.

Die neun (Adam Bayjou, Conor Hanley, Keith Henderson, Cal T King, Freddy Moore, Kristian Morse, Tyle Orphé-Baker, Tom Seals und Sam Walter) singen mit starken Stimmen abwechselnd oder im Chor Popsongs nach. Von Paul Simon und Avicii bis Katy Perry ist für jede Generation etwas dabei, von Sias „Chandelier“ über „Somebody to Love“ von Queen und „Under the Bridge“ von den Red Hot Chili Peppers bis zum „Pina Colada Song“ von Rupert Holmes. Serviert wird das mit einer solchen Energie und einer so glaubhaften Lässigkeit, dass man sich überraschend schnell wirklich als Gast in diesem Pub fühlt.

Auch wenn man bis zum Ende der knapp eineinhalbstündigen Show keine der zahlreichen vom Bühnenrand geworfenen Chipstüten gefangen oder ein Bier ergattert haben sollte. Highlight ist „500 Miles“ von den Proclaimers aus Schottland. Die anfangs für ein paar Takte am Klavier angespielte Variante „mit mehr Gefühl“ weicht allerdings rasch dem klassischen Mitklatsch-Rhythmus des Hits.

Ruhiger wird es bei Adeles „Hello“ oder wenn sie über ihre jeweiligen Beziehungen zum eigenen Vater räsonieren, was bestens zu Luther Vandross’ „Dance with my Father“ funktioniert. Wobei einfach alles in diesem Bühnenhit funktioniert.
ULRIKE FRICK

Vorstellungen

bis 23. März,
Telefon 089/ 55 23 44 44, www.deutsches-theater.de.

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