Grande Dame des Abends: Vicky Leandros. © Hangen
Großer Abräumer war der Wiener Schmähbruder Andy Borg mit maximalem Unterhaltungswert. © Martin Hangen
Bei der gewaltigen Playback-Sause zeigten sich die Fans bewundernswert leistungsfähig – so gut wie alles wurde in der ausverkauften Halle mitgesungen. © Martin Hangen
Wenn das Dieter Thomas Heck noch erlebt hätte. Der Hitparaden-Urvater war ja schon in den Siebzigerjahren mit Stars von Chris Roberts bis Lena Valaitis auf großen Live-Tourneen unterwegs. Ein halbes Jahrhundert später heißt die Playback-Mitsing-Sause, die jetzt in der ausverkauften Münchner Olympiahalle Station machte, „Schlagernacht des Jahres“. Und neben dem, nun ja, ausführlich erprobten Konzept sind auch die Hits gleich geblieben.
Stampf-Sound aus dem Computer
Denn die größten Knaller hatten 30, 40 Jahre und mehr auf dem Buckel. Der Heck hätte alles mitsingen können. Und die bewundernswert leistungsfähigen Münchnerinnen und Münchner – sie sangen knapp sechs Stunden lang (!) alles mit. Das regenbogenbunte englische Schlager-Duracellhäschen Ross Antony hat schon nicht Unrecht mit seinem Motto „100 Jahre gute Laune“.
Er brachte die Fans mit „Amarillo“ von Tony Christie (1971), „Sugar, Sugar“ von den Archies (1969) und „Quando, quando“ von Caterina Valente und Silvio Francesco (1962) zum Singen, Tanzen und Schwofen. Den Altersrekord stellte er mit „Que sera, sera“ von Doris Day aus dem Jahr 1956 auf. Bei den Glücklichmach-Liedern störte nicht einmal der Stampf-Sound aus dem Computer – einmal gut, immer gut! Da liegt der Verdacht nahe, dass sich die Schlagermacher früher einfach mehr angestrengt haben.
Man muss sich die monumentale Leistungsschau des deutschen Schlagers als Silbereisen-Show ohne Flori vorstellen. Die Musik kommt aus der Konserve, gesungen wird selbst. Mit Liveband könnte das Spektakel musikalisch zwar deutlich mehr Freude machen – doch das wäre viel zu teuer und aufwendig.
Die Jungstars wie Marie Reim, Bruder Julian Reim oder Vincent Gross verdienten sich ihren Applaus. Doch ab ging die Party vor allem bei den Oldtimern, bei Nino de Angelo, Matthias Reim oder Ex-Flipper Olaf Malolepski. München sagte „danke schön, 40 Jahre die Flippers“. Großer Abräumer war der Wiener Schmähbruder Andy Borg mit maximalem Unterhaltungswert und entwaffnender Selbstironie: „Bei mir müsst ihr zum Fotografieren das Handy quer halten.“ Er mochte kaum glauben, dass sogar das Jungvolk seine alten Hadern wie „Adios Amor“ mitsingen konnte: „Als das ein Hit war, wart ihr alle noch in der Nudelsuppn.“ Wir sagen danke schön, 64 Jahre der Andy!
Grande Dame des Abends war Vicky Leandros. Warum sie sich nach ihrer (angeblichen) Abschiedstournee den Playback-Stadl antut, bleibt zwar ihr Geheimnis. Aber Vicky gab dem Affen Zucker. Sie liebt das Leben, die Fans lieben Vicky – und mit „Theeeeeeoooo“ ging’s ab nach Lodz. 2026 steht dann nicht Polen auf dem Reiseplan, sondern die nächste Münchner Schlagernacht, garantiert wieder mit dem Besten von gestern und vorgestern. Motto: Heck is back!
JÖRG HEINRICH