„Der Alte“ (vorn) mit seinem Team: Michael Ande, Markus Böttcher und Pierre Sanoussi-Bliss (v.li.). © Friedl/ZDF
Große Liebe: Rolf Schimpf und Ilse Zielstorff. © Babirad
Das grelle Rampenlicht war nicht seins: Rolf Schimpf war ein bescheidener Mensch. © Babirad
Ungekünstelt, nahbar und ohne Missgunst – aus den Worten der Kollegen sprechen Liebe und Wertschätzung für Rolf Schimpf. Kein Wunder – der Schauspieler war überaus beliebt bei den Menschen, mit denen er vor der Kamera stand, genauso wie bei den Zuschauerinnen und Zuschauern, die ihn vor allem als den „Alten“ liebten, jener Rolle in der gleichnamigen ZDF-Serie, die Schimpf gut 20 Jahre lang verkörpert hatte. Bis ins hohe Alter ging er als Hauptkommissar Leo Kress in München auf Verbrecherjagd. 2007 hörte er auf, weil er den Altersunterschied zwischen sich selbst und seiner Rolle als zu groß empfand. Danach wurde es ruhig um den Schauspieler. Am Samstag ist der gebürtige Berliner nun im Alter von 100 Jahren gestorben, fast zehn Jahre nach seiner Frau, der Schauspielerin Ilse Zielstorff, wie sein guter Freund Detlef Vetten mitteilte.
Seinen großen runden Geburtstag am 14. November hatte Schimpf noch gefeiert – im kleinen Kreis mit gutem Essen, Weißwürsten und alkoholfreiem Weißbier. Und ganz wichtig: einer Sachertorte, verziert mit der Zahl 100 aus rotem Marzipan. Eine Versuchung, der der Schauspieler nicht widerstehen konnte, noch vor dem Anschneiden des Gebäcks: „Da hatte er die 1 schon in der Hand und hat sie angebissen!“, erzählt Vetten.
„Ich habe ihn bewundert, wie er in seinem Alter durchgehalten hat, mit welcher eisernen Disziplin er sich durch Tage gekämpft hat, wenn es ihm mal nicht so gut ging“, erinnert sich Pierre Sanoussi-Bliss. In „Der Alte“ hatte er als Ermittler Axel Richter gut zehn Jahre lang neben Schimpf gespielt und auch den verschmitzten Charme des Älteren zu schätzen gelernt. „Rolf war als Kollege wirklich allererste Sahne“.
Als Schimpf 1986 als „Der Alte“ anfing, hatte er bereits reichlich Schauspielerfahrung gesammelt. Seit den Fünfzigerjahren stand er auf der Bühne und vor der Kamera. In der ARD-Krimireihe „Tatort“ spielte er ebenso mit wie in fast 50 Folgen der Krimi-Serie „SOKO 5113“. Viel zu verdanken hatte er dem Münchner Produzenten Helmut Ringelmann, der das Unterhaltungsfernsehen mit Erfolgsformaten wie „Derrick“ oder „Der Kommissar“ geprägt hatte. 1984 holte er Schimpf für die Drama-Serie „Mensch Bachmann“, die Samstagabend im ZDF lief. 1986 folgte dann die Rolle, die der Schauspieler wie kaum ein anderer prägen sollte. Als Hauptkommissar Leo Kress beerbte er in „Der Alte“ den äußerst populären Siegfried Lowitz alias Erwin Köster und blieb der Kultserie rund 20 Jahre treu.
In seinen letzten Lebensjahren wurde es ruhig um Schimpf. 2010 war er mit seiner geliebten Gattin in eine noble Seniorenresidenz in München umgezogen. Fünf Jahre sollten ihnen noch bleiben, das Leben dort entspannt zu genießen. 2015 starb Ilse Zielstorff. Für Schimpf ein schwerer Schlag, nach fast 50 glücklichen Jahren. 2023 dann eine schwere Entscheidung für den damals 99-Jährigen: Schimpf musste seine Zweizimmerwohnung in der Seniorenresidenz aufgeben, aus finanziellen Gründen, wie sein Betreuer damals sagte.
Charles M. Huber, ebenfalls ein Schauspielkollege aus „Der Alte“, würdigte den Verstorbenen als ungekünstelt, natürlich und nahbar. „Ich mochte den Rolf, weil er so war, wie er war. Einfach ein wirklich guter Mensch.“
Was bleibt, ist nun die Erinnerung an einen Schauspieler, der bei seinen Auftritten stets liebenswert und feinsinnig wirkte. „Berühmtheit ist reine Glückssache“, sagte er einmal. „Wenn man Glück hat, kommt eine schöne Aufgabe auf einen zu. Dann muss man allerdings auch zupacken. Ich habe es getan und bin heute zufrieden.“
CORDULA DIECKMANN