Dvorak und Brahms, das ist eine Kombination die immer funktioniert. Immerhin bestand zwischen den beiden eine langjährige künstlerische Freundschaft, die sich in so mancher Partitur spiegelt. Das ließ nun auch Dirigentin Anja Bihlmaier bei den Münchner Philharmonikern spüren. Doch um die Sache noch spannender zu gestalten, hatte man sich in der Isarphilharmonie dazu entschieden, Brahms’ Klavierquartett op. 25 in der von Schönberg orchestrierten Fassung aufzuführen. Ein interessanter Blickwinkel, der viele Feinheiten wie unter einem Brennglas vergrößerte und in die Moderne übersetzte. Was im Falle von Bihlmaiers schlüssiger Lesart bedeutete, dass sich vor allem im dritten Satz immer wieder subtile Mahler-Assoziationen einstellten.
Die Türen aufgestoßen wurden dafür durch die deutsche Erstaufführung von „beyond the beyond“, mit dem man an die 2024 verstorbene Komponistin Sarah Gibson erinnerte. Wobei hier vor allem die Flexibilität der Blechbläser gefordert war. Analytisch genau hatte sich vor der Pause auch Kian Soltani mit Dvoraks Cellokonzert auseinandergesetzt. Er verzichtete konsequent auf die Träne im Knopfloch und verlieh der Komposition durch seine geradlinige Herangehensweise eine bezwingende Ehrlichkeit. Stets im engen Kontakt mit dem Orchester, was sich bis in die Zugabe fortsetzte. Weil er eben kein virtuoses Solostück nachlegte, sondern mit Orchestermitgliedern ein eigenes Kammermusik-Arrangement jenes Dvorak-Liedes vorstellte, das der Komponist im Gedenken an seine verstorbene Schwägerin im Cellokonzert zitierte.
TOBIAS HELL