Marc Ribot ist wütend. Kaum hat die 70-jährige New Yorker Gitarren-Ikone (Foto: Sandlin Gaither) in der lange ausverkauften Münchner Unterfahrt den ersten Song angestimmt, wiederholt er mehrmals in unmelodischem Sprechsingsang: „Ihr Faschisten werdet verlieren!“ Und um gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, wen er damit meint, kommen im Text dann noch JD Vance und Elon Musk vor. Der Rest des Konzerts ist überwiegend instrumental und pendelt zwischen Free Jazz mit Rock-Instrumentarium (zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug) und Punk-Energie und jazzig infiltriertem Prog-Rock. Das ist mal lärmiger, mal raffinierter, in den besseren Passagen an die komplexen Phasenverschiebungen von King Crimson erinnernd. Garanten dafür, dass die Sound-Agitation nicht in frenetische Zügellosigkeit abstürzt, sind die im Vergleich zu Ribots rustikalem Zugriff differenzierter, vertrackter in die Saiten greifende Gitarristin Ava Mendoza sowie Chad Taylors agil-variantenreiches Drumming. Sollte es Ribots Ziel gewesen sein, seine Abscheu vor der Kettensägen-Politik der Trump-Administration in Musik zu übersetzen, kann man sagen: Aufgabe erfüllt, Botschaft angekommen.
REINHOLD UNGER