Brachten die Fans zum hüpfen, tanzen, schreien: Biohazard mit (v. li.) Billy Graziadei, Evan Seinfeld und Bobby Hambel. © hei
Man sagt ja, Rache werde am besten kalt genossen. Bei Zorn ist das anders: Der bleibt immer heiß, egal wie lang man ihn im Herzen trägt. Zu spüren ist das zum Beispiel bei den Musikern von Biohazard, die am Samstagabend im ausverkauften Backstage-Werk spielten.
Biohazard, also die „biologische Gefahr“, stammt aus Brooklyn, New York. Evan Seinfeld (Bass), Billy Graziadei (Gitarre), Bobby Hambel (Gitarre) und Danny Schuler (Schlagzeug) sind raue Straßenjungs oder fühlen sich jedenfalls so – sie haben allen Frust ihres Lebens in musikalische Wucht umgewandelt. Mit HeavyMetal-Instrumentierung, dazu gibt’s Sprech- und Schreigesang.
Keine Band hat druckvollere Akkorde drauf als diese vier Herren, und kaum jemand hat’s geschafft, so lange so authentisch zu bleiben. Genau in dieser Besetzung haben Biohazard schon 1994 in München gespielt, damals noch im Terminal 1 in Riem. Vieles ist geblieben seitdem: die Energie, die Wut und der Derwisch-Tanz von Lead-Gitarrist Hambel.
Okay: Älter sind sie geworden, die Band hat zwischendurch eine laaaaaange Auszeit genommen, Seinfeld hat ab- und Graziadei zugenommen. Und das Publikum darf nicht mehr auf die Bühne. Aber die Lautstärke ist geblieben, der Hip-Hop-Beat mischt sich mit Punk und Heavy Metal zu einem heißen Puls. Das funktioniert bei den alten Hymnen wie „Punishment“ und „Hold my own“ genauso gut wie beim neuen „Forsaken“. Das Publikum hüpft, tanzt und schreit dazu: wie in einem Dampfdrucktopf, der am Ende alle ausgepowert und trotzdem mit frischer Energie entlässt.
Zu dieser Atmosphäre hatte auch die hervorragende Vorband Life of Agony beigetragen. Deren Sänger heißt zwar Keith Caputo, ist aber voll intakt, singt mit markanter Stimme. Während anderswo ja mal Dinge wie Bierbecher oder Unterwäsche auf die Bühne fliegen, war es in München ein Meterstab. Die Jungs aus der Band hatten Spaß damit und maßen nach, wie hoch sie springen können. Ergebnis: einwandfrei. Genau wie der ganze Abend.
ULI HEICHELE