James Gaffigan im Herkulessaal. © Astrid Ackermann
Mit Amerikanischem – einmal gar leicht böhmisch angehaucht – unterhielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sein Publikum im Herkulessaal bestens. Dabei stand ein waschechter New Yorker am Pult: James Gaffigan. Zum Einstieg präsentierte er mit den Streichern den 1943 entstandenen, an Filmmusik erinnernden Satz „Mother and Child“ des hierzulande unbekannten Afroamerikaners William Grant Still: ein gefälliger Ohrenschmeichler…
Nach dem Erfolg seiner Symphonie „Aus der Neuen Welt“ komponierte Dvorak 1894/95 eine „Amerikanische Suite“, die einem nicht weniger ins Ohr ging. Aber auch – und nicht zuletzt dem Dirigenten – in die Beine. Denn sowohl tänzerische Rhythmen als auch die Volksmelodien Amerikas wie die unauslöschlichen aus Dvoraks böhmischer Heimat scheinen hier auf und rissen das Publikum mit oder umgarnten es sanft wie im gefühlvollen Andante.
Von James Gaffigan mit Verve und viel Gespür für die „Szenerie“ animiert, stürzten sich die BR-Symphoniker zuletzt mit Gershwin in die französische Hauptstadt und begleiteten seinen „Amerikaner in Paris“. Doch zuvor warfen sie mit Bernstein einen Blick ins alte Griechenland: Fernab des „Westside“-Milieus kommen in der „Serenade after Plato’s Symposium“ Phaidros, Aristophanes, Agathon oder auch Sokrates zum Thema Liebe zu Wort, bei dem sich gleich zu Beginn die Solovioline meldet. Janine Jansen spannte mit ihrer Stradivari unendliche Legato-Bögen, setzte im Allegro marcato entsprechende Akzente, schwirrte durch Läufe und betörte mit körperhaften Klängen bis in die höchste Lage. Ob sie mit zartesten Pianissimi punktete, mit dem Cellisten dezente Zwiesprache hielt oder sich als hellwache Akteurin ins wilde Orchestertreiben des angejazzten Schlusssatzes einmischte: Janine Jansen war atemberaubend.
GABRIELE LUSTER