„Ach, diese drei Minuten!“ Am 23. Juni 1934 erreichte in Moskau den Schriftsteller Boris Pasternak ein denkwürdiger Anruf. Josef Stalin war am Apparat. Er wollte von dem berühmten Autor wissen, was er von der Verhaftung des hochverehrten Dichters Ossip Mandelstam halte. Dies ist verbürgt. Alles andere bleibt Spekulation: dass der Diktator nach drei Minuten aufgelegt habe, weil Pasternak sich vor einer Stellungnahme gedrückt habe. Bis heute ist jenes Telefonat eines der größten Geheimnisse des sowjetischen und russischen Literaturbetriebs. Ismail Kadare (1936-2024), der große, zur Schriftsteller-Elite der Welt gehörende Albaner, machte 2018 diese Geschichte zum Thema seines letzten Romans. Jetzt ist er erstmals auf Deutsch erschienen. Ein großartiges, wunderbares, staunenswertes Buch, das einsam herausragt aus dem Berg von Neuerscheinungen.
LTZ
Ismail Kadare:
„Der Anruf“. Aus dem Albanischen von Joachim Röhm.
S. Fischer Verlag, 175 Seiten; 24 Euro.
★★★★★ Hervorragend