Bevor das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und sein Gastdirigent Manfred Honeck das Publikum im Herkulessaal mit zwei wohlbekannten Werken von Beethoven verwöhnten, überraschten sie es mit Musik von Erwin Schulhoff. Nicht in der Originalgestalt, denn da sind die fünf Stücke für Streichquartett geschrieben, sondern vom Dirigenten höchstselbst und seinem Mitstreiter Tomáš Ille in ein äußerst üppiges, orchestrales Gewand gekleidet.
Geradezu aggressiv aufgeladen schnitt der von den Bläsern apart durchsetzte Walzer seinen Wiener Vorfahren fast eine Fratze. Auch der Tango lud nicht wirklich zum Tanzen ein, wurde aber von Solo-Geige, Flöte und den begleitenden Kastagnetten klangschön aufgemischt. Als dritter Tanz fetzte eine Tarantella herein, vor der eine stimmungsvoll beginnende Serenata sich ins Düster-Brutale wendete und ein „Alla Czeca“-Satz in einen wilden Taumel gesteigert wurde.
Mit Beethovens G-DurKlavierkonzert Nr. 4 bewies der britische Pianist Paul Lewis, ein Meisterschüler von Alfred Brendel, dass auch er einiges zu Beethoven zu sagen hat: Vorzüglich gelangen ihm schon im Kopfsatz die Kontrastwirkungen. Er bestach in lyrischen Passagen mit einem geradezu singenden Ton, artikulierte seine Läufe klar und ließ es im Diskant auch mal flirren. Während Honeck mit dem Orchester zunächst für schmiegsame Übergänge sorgte, machte er es im Andante zum Störenfried, den der nachdenkliche Pianist dann doch ins Piano zähmte. Nach einem magischen Schlussmoment sprangen alle Beteiligten ins heitere Rondo, das ihr selbst-verständliches Miteinander noch einmal bestätigte.
Auch bei Beethovens Dritter setzte Manfred Honeck auf Kontrastwirkung und auf eine hohe, alle drei Sätze überwölbende Spannung. Dabei rückte der Dirigent alle Gruppen der mächtig geforderten Streicher ins rechte Licht, brachte auch Holz und Hörner zum Glänzen, fächerte Beethovens kühne Konstruktion auf und erntete schließlich großen Applaus.
GABRIELE LUSTER