Es gibt Romane, bei denen man schon beim Lesen die Verfilmung als Netflix-Serie vor dem inneren Auge hat. In diese Kategorie fällt „Der Duft des Wals“ des kanadischen Schriftstellers Paul Ruban. Ein Luxus-Urlaubsresort wird hier zur Allegorie unserer verwöhnten, aber von Niedergangs-Ängsten geplagten Gesellschaft. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Paar Judith und Hugo, die ihre in Trümmern liegende Ehe im All-inclusive-Paradies kitten wollen. Doch der Traumurlaub wird durch einen perversen Gestank überschattet: Ein Blauwal strandet und explodiert. Klar, der stinkende Wal ist eine Metapher für unsere verfaulende Wohlstandsgesellschaft. Der Roman wälzt diese Symbolik nicht unnötig aus, nutzt sie aber als Basis für eine grotesk-komische Geschichte über Menschen, die mit Alkohol und Sex-Affären unglücklich dem Glück nachjagen. Paul Ruban stellt seinen Roman heute in der Münchner Buchhandlung Literatur Moths vor (19.30 Uhr).
KR
Paul Ruban:
„Der Duft des Wals“. Aufbau, 225 Seiten; 22 Euro.
★★★★☆ Lesenswert