Noch einmal geht die Sonne auf

von Redaktion

Die Retro-Show „Da Capo Udo Jürgens“ in der Münchner Olympiahalle

In der Zeitmaschine: Den Superstar gibt‘s auf Video, das Orchester Pepe Lienhard spielt dazu live. © Martin Hangen

Was sind schon zehn Jahre Warten auf eine Legende wie Udo Jürgens? Am 15. März 2015 sollte das Idol von Generationen sein nächstes Konzert in der Münchner Olympiahalle geben. Doch sein Tod veränderte alles. Und so dauerte es bis 2025, bis Udos Stimme und seine Musik an gleicher Stelle jetzt wieder die Sonne aufgehen ließen. Dank cleverer Technik und dank des vortrefflichen Orchesters Pepe Lienhard erlebte das Publikum bei der Retro-Show „Da Capo Udo Jürgens“ den besten Udo, seit Udo fortging.

Dass diese Zeitmaschine starten konnte, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Denn das letzte Konzert seines Lebens am 7. Dezember 2014 in Zürich wurde aufwendig mitgeschnitten. Und genau diesen Udo – älter geworden, aber längst nicht alt – gibt es in „Da Capo“ nun als Zugabe zu feiern und zu bestaunen. Der Superstar singt in feinster Qualität oben auf der riesigen Videowand. Darunter spielt und swingt live auf der Bühne Pepe Lienhard mit seinem Ensemble. Und bei den Hits, die in Zürich nur kurz als Medley zu hören waren, füllt der exzellente Musical-Sänger Karim Khawatmi die Lücken.

Alle singen, wippen und schnipsen zu den Klassikern von „Anuschka“ bis zum „Ehrenwerten Haus“. In der zweiten Hälfte dürfen sie vor der Bühne tanzen. Das alles wirkt mitreißend und authentisch, obwohl das Orchester unter erschwerten Bedingungen spielen muss. Denn spontan mit Udo zu musizieren, Augenkontakt zu halten, auf seine kleinen Ausflüge einzugehen – das funktioniert hier nicht. Mit Ohrhörern müssen sich Pepe & Co. exakt an die Zürich-Videos halten. Doch alles klingt fabelhaft. Und manchmal wirkt es so, als wäre Udo tatsächlich da – wenn er sich bei seinem Lieblings-Schlagzeuger Peter Lübke bedankt oder wenn er beim virtuellen Duett „Immer wieder geht die Sonne auf“ Sängerin Brigitte Wullimann tief in die Augen schaut. Die Udo-Fans beim „Da Capo“ – sie waren für einen Abend quasi die Gänsehaut(e) volée.
JÖRG HEINRICH

Artikel 4 von 6