Billy Cobham (80) spielt noch immer fulminant. © A. Antonov
Von einer Zeitmaschine haben schon viele geträumt. Billy Cobham hat sie jetzt konstruiert: Time Machine heißt sein Quintett, mit dem er die rappelvolle Münchner Unterfahrt zwei Nächte lang ein gutes halbes Jahrhundert zurückkatapultierte in die Anfangs- und Hochzeit der Fusion von Jazz und Rock, die der legendäre Schlagzeuger maßgeblich mitgeprägt hat.
Die schlechte Nachricht: Die Innovationen von damals sind die Klischees von heute. Die gute Nachricht: Cobham versteht es, mit seinem immer noch fulminant komplexen Spiel jeden seiner austauschbaren Beiträge an Sax, Gitarre, Keyboards und sechssaitigem E-Bass besser klingen zu lassen. Cobham muss seine Virtuosität nicht ausstellen, gerade mal ein kurzes Solo gönnt er sich – er ist auch so permanent das Zentrum des Geschehens.
Das Repertoire mischt angejahrte Cobham-Hits wie „Total Eclipse“ oder „Red Baron“ mit neueren Stücken, die aber genauso klingen wie das 50 Jahre alte Material. Apropos alt: Auf einen Gehstock gestützt, humpelte der 80-jährige Cobham auf die Bühne. Doch kaum saß er hinter seiner Schlagzeug-Burg (über der berühmten Doppel-Bassdrum türmt sich eine veritable Steilwandkurve an Trommeln, die für drei „normale“ Schlagzeuger reichen würden), schien er vor Vitalität zu bersten. Ein Drumset kann offenbar auch ein sehr effizientes Fitnessgerät sein. Frenetischer Jubel für eine gelungene Zeitreise, bei der Virtuosität und Spielfreude die schablonenhafte Gleichförmigkeit des musikalischen Materials ganz gut wettmachten. Cobham im Club: Das ist halt, als würden die Stones noch mal im Circus Krone spielen – ein Ereignis per se.
REINHOLD UNGER