UNSERE KURZKRITIKEN

Bizarres Deutschland-Bild

von Redaktion

Der Titel ist zwar krawallig, der Inhalt zum Glück nicht. „Totally kaputt? Wie Deutschland sich selbst zerlegt“ heißt das Buch der Journalisten Chris Reiter und Will Wilkes. Reiter ist Amerikaner, Wilkes Brite, beide leben schon lange in Deutschland. Dadurch haben sie einen Blick von innen wie von außen auf das Land, was dem Buch zum Vorteil gereicht. Etwa in dem Kapitel, in dem sie deutsche Mythen entlarven wie den der angeblichen Effizienz, der Umsichtigkeit oder der Progressivität. Im Kern attestieren sie den Deutschen ein fehlendes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das „wackelige Selbstbild“, Folge einer problematischen Vergangenheit, führe zu hohlen Debatten wie der über eine deutsche Leitkultur. Die Gegenvorschläge sind teilweise bizarr. So schlagen sie vor, statt des 3. Oktober einen emotionaleren nationalen Feiertag zu wählen. Warum das der 1. Mai sein soll oder der 17. Juni, bleibt ihr Geheimnis.
SP

Chris Reiter/Will Wilkes:

„Totally kaputt? Wie Deutschland sich selbst zerlegt“.
Piper, 352 Seiten; 24 Euro.


★★★☆☆ Annehmbar

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