Nichts, schon gar nicht Künstlername oder Cover, bereiten den arglosen Plattenkistengräber auf dieses Album vor. Michelle „Michi“ Guerrero aus dem kalifornischen Sun Valley und ihr Debüt „Dirty Talk“ ist ein hervorragendes Beispiel, welche Schätze sich mit etwas Zeit und Neugier beim Plattenhändler des Vertrauens heben lassen. Einen Hinweis auf die Güte der cremefarbenen Scheibe ist das Qualitätslabel „Stones Throw“, bei dem sich die Missionen von Club und Wohnzimmer überschneiden. In der Tat ist das Longplay-Debüt eine von vorn bis hinten entspannte, aber keineswegs langweilige Melange aus Soul der Siebziger und Achtziger, R&B der Neunziger und grundentspanntem Club-Pop. Dass tendenziell eher das Wohnzimmer der passendere Spielort dieser sehr hörenswerten Aufarbeitung einer grausigen Trennung ist, unterstreicht auch die kompakte Produktion. Für hochauflösende Referenz-Anlagen ist das nichts. Wohl aber für genussvolle Abende vor der Stereoanlage.
CU
Michi:
„Dirty Talk“ (Stones Throw).
★★★★★ Hervorragend