Herzig: Mit dem Tenor Rudolf Schock drehte Haas den Film „Die Stimme der Sehnsucht“. © Tobias Hase/dpa/United Archives
Auf der Bühne stand Waltraut Haas bis ins hohe Alter.
Die österreichische Schauspielerin Waltraut Haas ist mit 97 in Wien gestorben. Haas, die mit Heimatfilmen wie „Im weißen Rössl“ oder „Wenn der Vater mit dem Sohne“ berühmt wurde, hatte ihren Durchbruch als Mariandl in ihrem ersten Film „Der Hofrat Geiger“ aus dem Jahr 1947. Darin spielte sie an der Seite von Paul Hörbiger. In der Operetten-Verfilmung „Im weißen Rössl“ war sie mit Peter Alexander zu erleben, mit Heinz Rühmann in „Wenn der Vater mit dem Sohne“. Im Lauf ihrer Karriere wirkte Haas an rund 70 Filmen mit.
In ihrer Glanzzeit konnte ein Film-Kuss noch heikel sein. Als sie von Peter Alexander laut Drehbuch geküsst werden sollte, sei der sehr gehemmt gewesen, erinnerte sich Waltraut Haas vor wenigen Jahren im NDR. Erst als die Ehefrau von Alexander vom Set verschwunden war, ging es los. „Er packte mich, küsste mich, dann atmete er noch mal ein und küsste noch mal“, so Haas über die Szene in dem Film von 1960.
Der Weg vor die Kamera und auf die Bühne begann für sie im Konservatorium für darstellende Kunst in Wien und mit zusätzlichem privaten Unterricht bei der Burgschauspielerin Julia Janssen. In den ersten Jahren hatte sie Engagements auf österreichischen und deutschen Bühnen wie dem Titania-Palast Berlin oder dem Deutschen Theater München.
Das fröhlich singende Mariandl im „Hofrat Geiger“ mit Hans Moser, einer ihrer wichtigen frühen Wegbegleiter, prägte ihr Image und trug ihr etliche Rollen als süßes Wiener Mädl ein. Schon die Titel ihrer Filme („Keine Angst Liebling, ich paß schon auf“) brachten zum Ausdruck, wonach sich das Publikum sehnte: Harmonie und Probleme, die mit Humor lösbar waren. Haas stand bis ins hohe Alter auf der Bühne. Noch 2020 war sie im TV-Film „Das Glück ist ein Vogerl“ als Wachkomapatientin zu sehen.
1953 verlobte sich Waltraut Haas mit Hugo Koblet, 1966 heiratete sie aber Schauspieler Erwin Strahl. Regisseur Franz Antel filmte die Eheschließung in Sankt Gilgen bei den Dreharbeiten zu „00 Sex am Wolfgangsee“, benutzte dies aber nicht für Filmzwecke.
A. OTTI