Seine Dämonen

von Redaktion

Nino de Angelo im Circus Krone

Nino de Angelo (61) sang sich Mut zu. © Vennenbernd

Wer bisher den Traum hatte, Schlagersänger zu werden, dürfte sich nach dem Konzert von Nino de Angelo im Münchner Circus Krone mutmaßlich neu orientieren. Denn das (Über-)Leben im Scheinwerferlicht kann erbarmungslos sein. Der Stehaufmann kann davon nicht nur ein Lied singen, sondern ganz viele.

Seit mittlerweile drei erfolgreichen Alben berichtet er vom Kampf gegen seine Dämonen. Entsprechend düster ging’s im Krone zu. „Ich freue mich, wenn es euch gefällt, auch wenn’s schwer ist“, sprach der 61-Jährige sich und seinen Fans Mut zu. Textprobe: „Ich wandle durchs finstere Tal zu den Gipfeln meiner Qual.“

Seit de Angelo 1983 mit Drafi Deutschers „Jenseits von Eden“ als Schlager-Engel gen Himmel flog, ließ er keine Tiefen aus. Krankheiten, Alkohol, Drogen, Spielsucht, Privatinsolvenz, häusliche Gewalt, vier Ehen, Trennungen – ein Leben wie ein ganzes Dschungelcamp. Darüber singt er in seiner zweiten Karriere als Rocker. Motto: „Das Leben ist nicht nur perfekt, manchmal liegt man tief im Dreck.“ Aber: „Helden geben niemals auf.“

Dafür macht er sich live im wahrsten Sinne des Wortes nackig, reißt sich die Jacke vom Leib und versichert sich selbst: „Ja, das geht schon tief.“ Dazu passt seine vom Leben gekratzbürstete Stimme, die eher nach Nino de HNO klingt als nach Nino de Angelo. Und doch ist immer wieder „Land in Sicht“, in der Asche glimmt noch eine Glut. Dafür, dass er die Kunst des Überlebens beherrscht wie kein Zweiter, feiert ihn sein Publikum zu Recht. Mit Gefährtin Simone aus dem Allgäu, mit seiner „Retterin“, wünscht man ihm vor allem eines: Liebe ohne Leiden.
JÖRG HEINRICH

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