Junge finnische Dirigenten stehen derzeit hoch im Kurs. Nach den Kollegen SanttuMatias Rouvali oder Klaus Mäkele rattert die HypeMaschinerie aktuell etwa auch ganz gewaltig für Tarmo Peltokoski. Kein Wunder, wenn einer mit 22 seinen ersten „Ring“ dirigiert und als designierter Chefdirigent mittlerweile schon in Toulouse und Hongkong unter Vertrag steht. Nicht zu vergessen die Deutsche Grammophon, die ihn als jüngsten Dirigenten in der Geschichte des Traditionslabels zu ihrem Exklusivkünstler machte. Knapp eine Woche nach seinem 25. Geburtstag stellte sich Peltokoski nun also auch in München beim 5. Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchesters vor.
Noch ehe das Publikum mit dem Auftrittsapplaus fertig war, stürzte er sich da bereits mit großer expressiver Geste in die Anfangstakte von Richard Strauss’ „Don Juan“. Ganz so, als versuchte er das Klischee vom „Jungen Wilden“ noch einmal extra bestätigen. Tarmo Peltokoski will viel. Von der Musik, vom Orchester, aber auch von sich selbst. Und im jugendlichen Überschwang manchmal vielleicht auch etwas zu viel. Doch selbst wenn am Anfang noch jede Menge Show mit dabei ist, findet er dank sicherer Schlagtechnik später zum Glück noch die innere Ruhe für Kaija Saariahos atmosphärisches „Ciel d’hiver“ und die nahtlos daran anschließende Siebte von Sibelius.
Angesteckt haben könnte ihn dazu Solist Daniel Lozakovich, der eine nahezu mustergültige Lesart von Korngolds Violinkonzert vorlegte. Filigran, dennoch stets präsent im Ton. Den Zitaten aus dem Filmschaffen des Komponisten wurde da konsequent jedes Hollywoodpathos verweigert und stattdessen immer neuen Nuancen nachgespürt, die Lozakovich aus dem Moment heraus zu entdecken schien. Ein risikofreudiger Zugang, der im engen Kontakt mit Konzertmeister und Dirigent ganz und gar aufging und das Publikum in seinen Bann zog.
T. HELL