MÜNCHNER KAMMERSPIELE

Totalausfall bei „Tristan“

von Redaktion

Ach, Isolde, du hast es gut: „Ich habe ein Problem“, sagt die Prinzessin (Johanna Kappauf; Foto: Judith Buss) einmal. Nur eines, du Glückliche! Dieser Abend hat derer gar viele. Nele Jahnke inszenierte „Tristan (und Isolde)“ für die Münchner Kammerspiele – die Premiere am Samstag in der Giehse-Halle wurde zwar heftig beklatscht. Doch ist die Produktion ein Totalausfall. Denn zu keinem Zeitpunkt wird klar, was die Regisseurin, ausgehend von Gottfried von Straßburgs um 1210 entstandenem Versroman, mit diesem Stoff eigentlich erzählen möchte. Nichts ist lustig, nichts erhellend, nichts spannend, nichts berührend. Wir sehen eine uninspirierte, nicht ordentlich geprobte Abfolge von Szenen. Gut integriert in dieses Nicht-Geschehen hat Jahnke immerhin die simultane Übertragung in Gebärdensprache. Dass sie aber Menschen, die eh Schwierigkeiten mit der Aussprache haben, zwischendurch Mittelhochdeutsch sprechen lässt, zeugt von einem unbarmherzigen, weil das Ensemble bloßstellenden Regie-Ansatz. Schlecht gesprochen, schlecht gesungen (Ausnahme: Jelena Kuljic), schlecht gespielt (Ausnahme: Maren Solty) – diese 90 sehr, sehr langen Minuten sind: Verschwendung von Lebenszeit.
MICHAEL SCHLEICHER

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