Verträumte Cowboys

von Redaktion

The Lumineers in der Olympiahalle

Der Ober-Cowboy: Wesley Schultz. © Martin Hangen

Der Ober-Cowboy trägt an diesem Abend Zopf. Wesley Schultz, Frontmann der US-amerikanischen Folk-Rock-Band The Lumineers, hat sich zwei Pippi-Langstrumpf-Zöpfe geflochten, darauf ein Baseballcap. Seine Band kommt aus der Cowboystadt Denver in Colorado, einst eines der Zentren des Wilden Westens. Das hört man ihrer Musik an, die melancholisch verträumt mit Americana flirtet. Auf ihrer ersten deutschen Arena-Tour bespielen sie in München eine fast komplett ausverkaufte Olympiahalle. Nach schwierigen Anfangsjahren erweiterten sie ihren Bekanntheitsgrad dank zahlreicher Radiohits in den vergangenen Jahren.

Live besteht die Band aus einem Septett, das auf der Bühne eine enorme Spielfreude ausstrahlt. Allen voran Pianist Stelth Ulvang, der immer wieder barfuß nach vorne stürmt und die Fans animiert. In der Halle ist ein langer Steg aufgebaut, den die Musiker gern und häufig nutzen, um inmitten der Fans zu spielen. Das sorgt für Dynamik ebenso wie die zahlreichen Instrumentenwechsel, wobei der Sound erstklassig bleibt.

Beim Song „Brightside“ taucht Wesley Schultz ins Publikum ab und marschiert singend einmal quer durch die Halle. Seine Stimme betört die Fans immer wieder aufs Neue, und viele strecken zaghaft die Hand nach ihm aus, um ihn zu berühren. Spätestens als The Lumineers ihren Radiohit „Ho Hey“ anstimmen, stehen alle im Publikum geschlossen auf vor Begeisterung, klatschen und singen mit. Und setzen sich danach erst mal nicht wieder hin. Erst gegen Konzertende fällt der Spannungsbogen etwas ab, da sich viele der poppigen Songs ähneln. Hits wie „Ophelia“ stechen in den knapp zwei Stunden Spielzeit allerdings heraus und sorgen für Gänsehaut-Momente. Und einen Hauch von Lagerfeuerromantik.
MICHAEL HELLSTERN

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