ALBUM

Weit mehr als ein Plagiat

von Redaktion

Mehr Chuzpe geht kaum: Saxofon-Star Branford Marsalis hat Keith Jarretts Klassiker „Belonging“ (1974) neu eingespielt. Dieselbe Instrumentierung (Sax, Piano, Bass, Drums), unveränderte Stückreihenfolge – und dennoch ist dieses Album weit mehr als ein Plagiat. War Jarretts Originalaufnahme das Debüt seines European Quartet mit drei Skandinaviern, ist diese Neuinterpretation unüberhörbar Jazz US-amerikanischer Prägung. Überwog bei Jarrett das Filigrane, Lyrische, wählt Marsalis einen handfesteren Zugang mit mehr Zug und ausschweifenderen Improvisationen. So ist diese Einspielung gut 17 Minuten länger als die Jarrett-LP, und Marsalis‘ Saxofonton würde niemand mit dem von Jan Garbarek verwechseln. So kann Marsalis‘ Debüt bei Blue Note als eigenständiges Kunstwerk gelten, das Freunden des klassisch akustischen Jazz viel Spaß machen dürfte. Vermutlich war Marsalis einfach nur neidisch, dass er so unwiderstehliche Themen wie „Spiral Dance“ oder „The Windup“ nicht selbst geschrieben hat.
RUN

Branford Marsalis Quartet:

„Belonging” (Blue Note).


★★★★☆ Hörenswert

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