Über einen Zeitraum von fünf Jahren – 1987 bis 1991 – waren die Pixies die coolsten Rocker des Universums. Ihr Sound speiste sich aus der Surf-Musik der Sixties, Mariachi-Temperament und Punk. Dazu deklamierte und kreischte Sänger Black Francis Merkwürdigkeiten über Zahlenmystik, erotisch Abseitiges und Science-Fiction. Während Bassistin Kim Deal zuckersüß und lässig dazu harmonierte. Und heute? Das ausverkaufte Konzert im Münchner Zenith zeigt: Es hat sich kaum etwas geändert.
Klar: Gitarrist Joey Santiago und Drummer David Lovering schauen ergraut unter ihren Kappen hervor – doch der Beat ist immer noch stoisch und die Gitarre unnachahmlich, mal schräg gegen den Strich gebürstet, mal mit sattem Country-Twang. Und ebenfalls klar: Deal ist schon lange nicht mehr dabei, als mittlerweile vierte Bassistin der Band steht nun Emma Richardson rechts auf der Bühne. Sie macht bei den alten Songs ihre Sache gut – und teilt sich auf den Stücken des neuen Albums „The Night the Zombies came“ den Gesang prominent mit Black, den sie um gut einen Kopf überragt.
Und Charles Thompson alias Black Francis? Der Glatzkopf und Diktator des US-Quartetts sieht seit den späten Neunzigern unverändert aus. Eine Ansage spendiert er dem begeisterten Publikum heute nicht, dafür lässt er die Band nahtlos einen Indie-Hit nach dem nächsten raushauen. Die Fan-Lieblinge „Here comes your Man“, „Debaser“ und „Where is my Mind“ – dessen prominente Verwendung im Kultfilm „Fight Club“ den Pixies wohl auf ewig ein junges Publikum bescheren wird – kommen mittendrin, dazu seltener Gehörtes wie „Motorway to Roswell“ und „Cactus“. Das Konzert endet, das muss man sich auch mal trauen, mit zwei Maxi-B-Seiten von 1989: einer akustischen Version von „Wave of Mutilation“ sowie „Into the White“. Eine Zugabe gibt’s nicht, Punk-Ehrensache. Der Verdacht drängt sich auf: Womöglich sind die Pixies immer noch die coolsten Rocker des Universums.
JOHANNES LÖHR