Gemeinsam mit Cellistin Anja Lechner, Pianist Django Bates und Bassist Dave Holland schafft Anouar Brahem, der tunesische Grandseigneur der arabischen Knickhalslaute Oud, einen polystilistischen Echoraum (Foto: Marco Borggreve). Darin hallen Ahnungen von mediterranem Melos ebenso wider wie maghrebinische Traditionen, die improvisatorische Freiheit des Jazz sucht eine gemeinsame Wellenlänge mit der an Kammermusik geschulten Achtsamkeit für feinste Nuancen des Zusammenklangs. Gelegentlicher Anflüge von Vitalität ungeachtet – ein Duo von Brahem und Holland in der Mitte des Konzerts ist diesbezüglich ein Höhepunkt – durchzieht diese Musik ein Grundgefühl tiefer Melancholie. Schade nur, dass der Veranstalter offenbar die Anziehungskraft dieser filigranen, einen Gestus intensiver Innerlichkeit zelebrierenden Musik auf das Münchner Publikum arg überschätzt hatte: Das Prinzregentheater wäre gut gefüllt gewesen, in der Isarphilharmonie indes verlor sich das Publikum. Dem begeisterten Applaus nach zu urteilen, waren die auf diese Konzentration und Sensibilität erfordernde Kammerfolklore bestens Eingestimmten gekommen.
R. UNGER