Im Rahmen der Gedenkkonzerte luden Musikerinnen und Musiker vom Israel Philharmonic Orchestra und von den Münchner Philharmonikern zur Matinee ins Künstlerhaus. Dort erklang Musik, deren Schöpfer während der Nazi-Herrschaft verfemt waren. Dazu gehörte sogar Mendelssohn Bartholdy, in dessen erstem Streichquartett Saida Bar-Lev (Erste Violine) und Amir van der Hal (Bratsche) aus Tel Aviv mit Alexander Möck (Violine) und Thomas Ruge (Cello) aus München sehr beredte „Unterhaltung“ führten. Zuvor schon hatten sie mit Alexandra Gruber, Klarinettistin der Philharmoniker, in der „Musica larga“ von Ilse Fromm-Michaels, die wegen ihres jüdischen Ehemanns von den Nazis zum Verstummen gebracht wurde, ihre Kreise gezogen. Mit großer Intensität widmeten sich die Streicher dem dritten Quartett Viktor Ullmanns, der in Auschwitz ermordet wurde (Foto: Archiv). Hier durften die Bratsche – sie tastete sich eindrucksvoll ins Largo – und das Cello hervortreten. Im g-Moll-Quintett von Schostakowitsch übernahm Paul Rivinius den Klavierpart: mal unruhig rhythmisiert, mal tröpfelnd unter singenden Streichern. Mit Hochspannung luden die fünf vor allem das Intermezzo auf.
GABRIELE LUSTER