Nach diesem Finale kann nichts mehr kommen: Am Ende von Gustav Mahlers sechster Symphonie, nach den zwei (wahlweise drei) Hammerschlägen gähnt das schwarze Loch. „Die Tragische“, so ihr nicht autorisierter Untertitel, entstand allerdings in einer der glücklichsten Lebensphasen des Komponisten (siehe auch Interview rechts). Ein hochemotionales Opus, das Dirigenten auch verführt: wenn sie nämlich am Pult mehr über sich als über die Symphonie erzählen. Mariss Jansons, 2019 verstorbener Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, gelang gerade in dieser schon länger erhältlichen Aufnahme die Quadratur des Kreises. Seine Interpretation ist von enormer Intensität, behält aber in jedem Takt die Übersicht. Jansons ist Teil des Geschehens und blickt zugleich als ordnender Analytiker darauf. Hinzu kommt die edle Klangkultur des Concertgebouw Orchestra (dem Jansons auch als Chef vorstand). Stilbewusster lässt sich Mahler kaum deuten.
TH
Mahler:
Symphonie Nr. 6. Concertgebouw Orchestra, Mariss Jansons (RCO Live).
★★★★★ Hervorragend