An sich ist „One Night Stand“ ein Countrysong, der gut durchläuft. Weder nervt er, noch ist er so unscheinbar, dass man ihn nicht mitsummen möchte. Und doch hat er eine Fußangel: Nach Summen kommt Singen, und da stolpert das heteronormativ geprägte Gehirn über jene Zeile, in der der Sänger das titelgebende Ereignis einem Mann zuordnet. Tatsache: Adeem The Artist, Country-Singer-Songwriter aus North Carolina, ist Mitglied der Queer-Country-Szene. Sein neuntes Album folgt den beiden viel beachteten „Cast Iron Pansexual“ (2021) und „White Trash Revelry“ und siedelt musikalisch im absolut radiotauglichen Mainstream-Country. So perfekt das alles gemacht ist: Bis auf ein paar Ausnahmen läuft das Album ein wenig zu gut im Hintergrund. Die SingerSongwriter-Wurzeln der zwölf Stücke in den Vordergrund zu stellen, hätte ihnen gutgetan. Ihre Inhalte sind es schließlich wert, aufmerksam gehört zu werden.
CU
Adeem The Artist:
„Anniversary“ (Four Quarter Records/Thirty Tigers).
★★★☆☆ Annehmbar