Tomi Ungerer ist neun Jahre alt, als die Deutschen 1940 das Elsass besetzen. Die französischsprachigen elsässischen Lehrer werden durch deutsche Lehrer ersetzt. Deutsch wird offizielle Sprache, Französisch bei Androhung strenger Strafen verboten, aus Jean-Thomas, von allen Tomi genannt, wird Hans. Der Bub wächst heran, entdeckt sein Zeichentalent, schreibt seinen Alltag auf. „Dieses Buch könnte auf den ersten Blick fast beleidigend wirken angesichts der großen Dramen des Elends, der Gewalt und der Tortur“, schreibt Ungerer im Vorwort zu seinen Kindheitserinnerungen. „Aber wenn ich über diese Epoche spreche, als seien es die großen Ferien gewesen, so deshalb, weil ich als Junge mit der Unbefangenheit des Kindes alles wie ein großes Schauspiel empfunden habe.“ Das 1993 erschienene Buch des Illustrators (1931-2019) liegt nun in einer schön gestalteten und erweiterten Neuauflage vor. Sie erzählt in Bild und Text auch vom Werden eines großartigen Künstlers.
LEIC
Tomi Ungerer:
„Die Gedanken sind frei“. Diogenes, 192 Seiten; 28 Euro.
★★★★☆ Lesenswert