In der Ruhe liegt die Kraft

von Redaktion

Der einstige Skandalrocker Pete Doherty mit neuer Gelassenheit in München

Solo in der Muffathalle: Pete Doherty. © Michael Hellstern

Heroin, Kokain und Alkohol prägten über viele Jahre das Leben des Rockers Pete Doherty. Doch das war einmal. Der einzige Exzess an diesem Montagabend in der gut gefüllten Muffathalle besteht aus dem Song „Calvados“, den Doherty dem gleichnamigen Getränk aus der Normandie widmet. Seit dem Umzug in die neue französische Heimat scheint er zur Ruhe gekommen zu sein. Der 46-Jährige lebt dort mit seiner Frau Katia de Vidas, die ihn auf Tour am Keyboard begleitet, und dem gemeinsamen Baby. Die jahrelangen DrogenEskapaden als Kopf der Babyshambles und der Libertines sind ihm ins Gesicht geschrieben. Er bewegt sich aber deutlich fitter auf der Bühne als bei seinem Februarkonzert mit den Libertines im Zenith, bei dem er wegen seiner Diabetes-Erkrankung nur sitzend singen konnte (wir berichteten). Er gerät zwar manchmal außer Atem, doch jeder Ton sitzt, egal ob er singt oder auf der Gitarre spielt. Seine humorvollen Ansagen lassen viel Selbstironie durchscheinen – und er beweist gleichzeitig seine musikalische Klasse.

Den gefühlvollen Song „Flags of the old Regime“ widmet er seiner verstorbenen Ex-Freundin Amy Winehouse. Ansonsten spielt Doherty viele Titel seines neuen Solo-Albums „Felt better alive“, das am 16. Mai erscheint und einige berührende Titel bereithält. Richtige Begeisterung kommt erst bei der Babyshambles-Hymne „Fuck forever“ auf. Mit dem Smiths-Cover „Panic“ entlässt er die Fans in die Nacht – ohne sich jedoch zu den Gerüchten über eine anstehende Babyshambles-Tour zu äußern. Wer weiß, vielleicht gastiert er heuer ja noch ein drittes Mal in München.
MICHAEL HELLSTERN

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