Demonstration gegen Aidspolitik auf dem Odeonsplatz, Oktober 1987
„Kunst! Schaffen?“ heißt die Serie mit diesem Bild.
Für das Wahlrecht demonstrieren diese Frauen. © Passow
Wir in München sind halt einfach die Größten! Zumindest, was Rekorde angeht: Mit einer halben Million Arbeitskräften, die täglich vom Umland reinkommen, liegen wir als Pendlerstadt noch vor Berlin. Und auch die „Versiegelungsdichte“ des Bodens übertrifft bei uns – angeblich – die aller anderen deutschen Großstädte, selbst wenn München oberflächlich betrachtet recht begrünt aussieht. Gar nicht lustig ist hingegen ein anderer Rekord: Auch bei den Todesopfern von rechtsextremen Straftaten ist die Landeshauptstadt den deutschen Metropolen voraus – was nicht zuletzt am Oktoberfestattentat von 1980 liegen dürfte.
Erfahren kann man all das in der Ausstellung „What the City. Perspektiven unserer Stadt“ im Zeughaus des Münchner Stadtmuseums, die den gängigen „Mia-san-mia-Gestus“ zelebriert – nur halt mit teilweise negativer Verbrämung. In zehn „Cities“ genannten Stationen werden von der Kunststadt über die Pop-City und das „queere München“ bis zur „feschen“ Dirndl-Fashion-Metropole verschiedene Facetten, Konzepte, Klischees unserer Stadt inszeniert und manchmal auch kritisch hinterfragt. Optisch besonders gelungen ist dabei der Abschnitt über München als vermeintlich oder tatsächlich rassistische Stadt: weil Rassismus ja eine haarige Angelegenheit ist, wurde hier ein richtiger Friseursalon aufgebaut, wo man vor Spiegeln Platz nehmen kann, auf denen dann Videos starten. Darin erzählen Münchner über ihre Erfahrungen mit Rassismus und Antisemitismus.
Fast schon künstlerische Qualitäten hat auch die Installation zum Thema Sicherheit, die nichts für Paranoiker ist: Auf Monitoren kann man hier sich selbst und andere Besucher beim Betrachten der Ausstellung betrachten, weil Überwachungskameras im ganzen Saal ihre Bilder live auf die Bildschirme übertragen. Kombiniert ist dieses Orwell-Szenario mit alten Hellebarden der Münchner Stadtwache, die ihre Spitzen dem Besucher furchterregend entgegenrecken – eine Erinnerung daran, dass das gotische Zeughaus einst die Waffenkammer der Stadt war.
Und „vom Feeling her ein gutes Gefühl“ vermittelt der neue Eingang ins Zeughaus direkt vom St.-Jakobs-Platz aus. Wie ja ohnehin die eigentliche Sensation dieser Ausstellung darin besteht, dass sie überhaupt stattfindet! Bekanntlich ist das Stadtmuseum wegen Generalsanierung bis voraussichtlich 2031 geschlossen. Überraschend habe sich jetzt aber ergeben, dass das Zeughaus „noch zweieinhalb Jahre bespielbar“ ist, berichtete Stadtmuseums-Chefin Frauke von der Haar. Die jetzige Interims-Ausstellung sei „ein Labor für uns, wie wir perspektivisch mit der Stadtgesellschaft zusammenarbeiten wollen“, denn mit der Sanierung sei „nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich eine Neukonzeption“ angestrebt.
ALEXANDER ALTMANN
Bis Mitte 2027,
Di.-So., 11-19 Uhr, Eintritt frei.