Die Sorgen nach dem Sieg

von Redaktion

Kann sich Österreich den ESC leisten? – „Werden alles zusammenkratzen“

Gefeiert: ESC-Sieger JJ mit seiner Mutter nach seiner Rückkehr aus Basel. © Florian Wieser

Geeignet: In der Wiener Stadthalle könnte 2026 der nächste Wettbewerb ausgetragen werden. © Hans Klaus Techt

Erste Wahl? Schon zweimal, 1967 und 2015, fand der ESC in Wien statt. © Bernhaut

Nach dem Sieg des Österreichers Johannes „JJ“ Pietsch beim Eurovision Song Contest in Basel schwankt sein Heimatland zwischen Freude und dem Schock, das teure Event im nächsten Jahr finanzieren zu müssen. Denn mit dem Triumph des 24-jährigen Opernsängers wird Österreich 2026 zum Gastgeberland des ESC. Doch vorerst überwiegt die Freude. „Was für ein Erfolg! Was für eine Stimme! Was für eine Show!“, schrieb Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf der Plattform X. Und versicherte: „Ganz Österreich freut sich!“

Auch die renommierte Wiener Staatsoper, wo JJ bereits mehrmals aufgetreten ist, gratulierte. „Von der ,Zauberflöte‘ zum Sieg beim Song Contest, das ist doch irgendwie eine Geschichte, die nur in Österreich stattfinden kann“, sagte Operndirektor Bogdan Roscic der Presseagentur APA. In den Sozialen Netzwerken war aber auch die angespannte finanzielle Situation des österreichischen Senders ORF als Organisator des nächsten ESC ein Thema. „Scheiße, das geht wieder ins Geld“, schrieb etwa ein User auf X.

Der öffentlich-rechtliche Sender hat aktuell nicht nur ein Sparpaket im Umfang von 325 Millionen Euro bis nächstes Jahr zu stemmen, sondern ist auch von einer Entscheidung der Regierung betroffen, die Rundfunkabgaben nicht an die Inflation anzupassen. Dadurch kommt nach ORF-Angaben ein zusätzlicher Einsparungsbedarf von 220 Millionen Euro bis 2031 dazu. Hinzu kommt, dass der Sender seit Jahren auch politisch unter Beschuss insbesondere der rechtspopulistischen FPÖ ist. So fordert deren Vorsitzender immer wieder die Abschaffung der Rundfunkgebühr und eine „Totalreform“ hin zu einem „Grundfunk“. In den Augen der „Freiheitlichen“ ist der Eurovision Song Contest sowieso ein aus „Zwangsabgaben“ finanziertes „wokes Event“.

Der ESC in Basel kostete nach Angaben des Schweizer Senders SRF rund 60 Millionen Schweizer Franken (64 Millionen Euro). Davon wurden 35 Millionen Franken aus Mitteln der Stadt finanziert, 20 Millionen kamen vom öffentlich-rechtlichen Sender, weitere sechs Millionen wurde von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) beigesteuert. „Wir werden schauen müssen, alles, was wir haben, so zusammenzukratzen, dass wir es gut über die Bühne bringen“, sagte ORF-Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz der APA: „Wir werden uns einen Klingelbeutel stricken.“

Der für Medien zuständige Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) bestätigte Gespräche über Finanzierungsmodelle, konkrete Zusagen des Bundes wolle er momentan aber nicht machen: „Ich bin gut beraten, dass ich den Gesprächen nicht vorgreife.“ Österreich habe „schon einmal einen sparsamen Song Contest ausgerichtet“, so Babler. Und unterstrich, dass der Eurovision Song Contest eine „Riesenwerbung“ für das Land sei. Bisher zweimal, 1967 und 2015, fand der Wettbewerb in Wien statt, beim ersten Mal reichte dafür noch der Große Festsaal der Wiener Hofburg.

Der Sieger von Basel freut sich auf den ESC im nächsten Jahr. Es solle „die coolste Show“ werden. Und natürlich soll das Ganze in der Hauptstadt stattfinden: „Da muss ich nicht weit fahren, da bin ich gleich daheim.“
DPA/ROG

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