Landratte statt Seebär: Freddy Quinn. © Georg Spring
Freddy Quinn mit Ehefrau Rosi. © Bartek Kolodziej
Jahrzehntelang hat Schlagersänger Freddy Quinn (93) seinen Fans in seinen Liedern und Filmen Geschichten erzählt: Vom einsamen Seemann, der über die Weltmeere fährt auf der Suche nach Erfüllung. Das kam gut an bei den Menschen im Nachkriegsdeutschland, wo viele durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs tatsächlich ihre Heimat verloren hatten. Dass es sich dabei nur um ein Image der Plattenindustrie handelte und der gebürtige Österreicher nie zur See gefahren ist, hatte Quinn schon vor längerer Zeit zugegeben. In seiner neuen Autobiografie „Wie es wirklich war“, die am Donnerstag im Hannibal Verlag erscheint, räumt der Schlagersänger mit Mythen auf, die sich um sein Leben ranken.
Schon mit seinem Geburtsort fängt es an: Gleich drei Orte werden dazu bei Wikipedia genannt: Wien, Niederfladnitz oder Pula in Kroatien. „All diese widersprüchlichen Angaben stammen teils von mir, teils haben sich Journalisten auch etwas zusammengereimt, teils haben sich falsche Behauptungen verselbstständigt“, schreibt Quinn, in dessen Geburtsurkunde Wien als Geburtsort steht.
Über seinen Vater kursieren die unterschiedlichen Gerüchte, unter anderem sollte Quinn der nichteheliche Sohn des irischen Kaufmanns Johann Quinn sein. Später sollte er zu seinem Vater in die USA gezogen sein und eine Grundschule besucht haben. Doch all diese Geschichten waren frei erfunden, um ein Image zu kreieren, gesteht Quinn. Das Image vom Einzelgänger, der von der Sehnsucht getrieben wird. Es bescherte dem Sänger mit der Baritonstimme zahlreiche Nummer-Eins-Hits. „Heimweh“, „Die Gitarre und das Meer“ oder „Junge, komm bald wieder“ wurden zu Klassikern. Quinn brach die Rekorde seiner Zeit und verkaufte mehr als 60 Millionen Platten bis zur Jahrtausendwende. 2023 heiratete er die 17 Jahre jüngere Rosi, über die er sagt: „Sie ist das größte Glück, das mir passieren konnte.“
C. GROSSE-WILDE