Ganz München tanzt

von Redaktion

Tobias Staab über sein Dance-Festival, das jetzt startet

Tanz trifft Musik trifft (Video-)Kunst – und das Publikum ist mittendrin. So auch bei „The Master’s Tools“. Die Produktion aus Marseille läuft zum Festivalstart in der Muffathalle. © Jose Caldeira

Ein bisschen erscheint er uns wie ein Seefahrer, der die Segel setzt, angstfrei, voller Neugier und Entdeckungsfreude. So jedenfalls erlebt man ihn im Gespräch: Tobias Staab, den neuen künstlerischen Leiter der Münchner Dance-Biennale, die von 22. Mai bis 1. Juni läuft. Das Festivalzentrum ist das „Blitz“-Areal auf der Museumsinsel (Zugang über die Ludwigsbrücke) mit Isarterrasse, Club, Bar & Bistro. Neben „Gettogethers“ und „Artists’ Talks“ (Pardon für das modische „Denglisch“!) finden hier an den Wochenenden auch Partys statt. Schon jetzt im „Blitz“ erhältlich: die kostenfreie Festival-Zeitung. Darin ein übersichtlicher Veranstaltungskalender, künstlerische Fotos, Choreografen-Porträts und ein Willkommenstext von Tobias Staab. Wir treffen ihn – trotz Festivalstress ein entspannt zugewandter Gesprächspartner – in seinem Büro am Leonrodplatz.

Ihre Vita als Regisseur, Kurator, Dramaturg und Videokünstler zwischen Antwerpen, Berlin, Bochum, Köln, Mainz und München ist Seiten-sprengend. Man erahnt jetzt ein formal neuartiges Festival. Nicht zuletzt durch Ihr Regiedebüt mit Toshio Hosokawas „Matsukaze“ beim „Ja, Mai“-Festival der Bayerischen Staatsoper.

Stimmt schon so. Es war übrigens eine Zusammenarbeit mit Lotte van den Berg (renommierte Holländerin zwischen Tanz, Theater und Film; Anm. d. Red.). Wie in dieser Oper bewegen sich bei der Dance-Biennale Tänzer, Tänzerinnen und Publikum frei im Raum. Warum? Ich hatte mich bei der Planung gefragt: Wie kann ich das Festival öffnen für andere Kunstformen und dabei Grenzgebiete aufspüren. Der anspornende Gedanke dahinter war, ein größeres Publikum zu gewinnen. Junge Menschen, die sich eher für Hip-Hop und Breakdance interessieren oder für die Ballroom-Szene. Aber Hoffnung ist zugleich, auch die traditionellen Biennale-Fans, bisher ja auf einem festen Sitzplatz, hier mal zu ganzkörperlichem Erleben anzuregen. Also nicht nur passiv zu konsumieren, sondern im freien Umherwandern durch die Performance eine ganz eigene aktive Perspektive zu gewinnen.

Das klingt nach mutigem Experiment.

Meine Arbeiten haben sich bisher in den künstlerischen Feldern Tanz, Bildende Kunst und Musik bewegt. Die spannendsten Orte lassen sich vielleicht in den Zwischenräumen finden. Ganz wichtig ist mir die Frage „Was kann Tanz, was können wir, die im Tanz arbeiten, für die Gesellschaft leisten?“ Meine Antwort lautet: Begegnungen, reale Gemeinschaften ermöglichen. Und damit verweise ich auf die Tatsache, dass es heute immer schwieriger wird, andere Lebenseinstellungen, die Andersheit der Menschen um uns herum auszuhalten. Das Miteinander von Menschen – findet das heute noch statt?

Gelegenheit wäre jetzt bei den vielen Performance-Programmen, dem reichen Angebot an Lectures, Workshops und Gesprächen und Ausstellungen…

Es gibt diesmal eine intensive Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst, dem Lenbachhaus, dem Volkstheater sowie den Münchner Kammerspielen. Nach langjähriger Tradition ist natürlich auch das Muffatwerk mit seiner großen Muffathalle dabei – ohne Bestuhlung!

Wenn man noch die freien Spielstätten wie HochX, Utopia und Schwere Reiter dazu zählt, könnte man voraussagen: Ganz München tanzt!

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