Heute würde man sagen: Bei den Hormanns läuft‘s. Wenn sie gefragt werden, wie es denn ginge, antworten sie gerne „Alles bestens“. Auch dann, als es nicht mehr so gut läuft. Die sechsköpfige Familie ist pleite, der Traum von der eigenen Firma, die einst Wohlstand bescherte, verpufft. Somit wird es auch nichts aus dem Samtsakko für die Konfirmation von Kind Nummer vier. Aus Sicht des heranwachsenden Daniel und in rasantem Tempo erzählt Christian Schünemann vom Leben einer ganz normalen Familie in den Achtzigern – zwischen Pleite, gewahrtem Schein, Zusammenhalt und pubertärem Aufbruch. Der Blick des Jugendlichen auf die Familie und das Agieren der älteren Generationen ist genau und weitet sich beim Kennenlernen seines französischen Gastschülers und der Ostdeutschen Zoe. Schünemann gelingt ein vielschichtiges Porträt der deutschen Gesellschaft, das einen beim ersten Lesen fast erschlägt und das man am liebsten sofort noch einmal lesen möchte.
VES
Christian Schünemann:
„Bis die Sonne scheint“. Diogenes, 256 Seiten; 25 Euro.
★★★★★ Hervorragend