Völlig losgelöst

von Redaktion

„Bach in Space“ mit Pianistin Mona Asuka hebt im Prinzregententheater ab

Wahrhaft himmlisch. So würden viele wahrscheinlich spontan die Musik von Johann Sebastian Bach beschreiben. Und nicht ohne Grund sind auf der „Goldenen Schallplatte“, die man einst mit den Voyager-Sonden als Gruß in die Tiefen des Weltalls schickte, gleich drei seiner Kompositionen vertreten. Auch das mag vielleicht bei der Konzeption der Reihe „Bach in Space“ mit im Hinterkopf gespukt haben. Denn selbstverständlich erklingt im Münchner Prinzregententheater ebenfalls das von der Nasa ausgewählte Präludium und Fuge Nr. 2 aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Optisch untermalt durch Original-Aufnahmen des Hubble-Teleskops, die auf der Leinwand hinter Pianistin Mona Asuka auftauchen und an Farbexplosionen von Kandinsky und Co. erinnern.

Ob es diese Illustration wirklich braucht, ist Geschmackssache. Denn viel Mehrwert für die Musik entsteht dadurch natürlich nicht. Aber ebenso wenig stört es die Konzentration, wenn da Bilder des Orion-Nebels, der „Sombrero-Galaxie“ oder „Der Pinguin und das Ei“ langsam vorbeiziehen. Ja, Letztere gibt es tatsächlich. Was im Saal kurz für amüsiertes Kichern sorgt, aber eben auch in bester Phoenix-Manier das Wissen über unsere benachbarten Sternensysteme steigert.

Dass die Musik dabei nie zur bloßen Untermalung wird und der Spannungsbogen trotz der oft kleinteiligen Zusammenstellung nie abreißt, ist natürlich vor allem Mona Asuka zu danken. Denn ihre ebenso sensiblen wie ausdrucksstarken Bach-Interpretationen sind definitiv über jeden Zweifel erhaben. Meist angemessen schlicht, wie im Choral „Jesus bleibet meine Freude“. Aber neben solchen meditativ spirituellen Momenten, in denen die Zeit beinahe stillzustehen scheint, weiß sie ebenfalls das virtuose Element angemessen zu bedienen. So wie in der zentral platzierten französischen Suite Nr. 5, die im Gegensatz zu vielen anderen Einzelsätzen zum Glück in ihrer Gesamtheit erklingen darf. Für den Bach-Chor, der die Reihe im Herbst fortsetzen wird, liegt die Messlatte somit also alles andere als niedrig.
TOBIAS HELL

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