König, Schuster und Prophet

von Redaktion

Jahrhundertsänger: Dietrich Fischer-Dieskau (1925-2012).

„Alles ist Spaß auf Erden“ – „Tutto nel mondo e burlà.“ Seine letzten Worte waren das, musikalisch gesehen. Und gesungen hat sie Dietrich Fischer-Dieskau an der Bayerischen Staatsoper in der Silvester-Gala des Jahres 1992. Mit der Schlussfuge aus Verdis „Falstaff“ nahm der Jahrhundertsänger seinen Bühnenabschied. München fühlte sich Fischer-Dieskau besonders verbunden. Und das nicht nur, weil er in Berg am Starnberger See ein Haus besaß, wo seine Witwe Julia Varady heute noch lebt. Beide hatten sich 1973 kennengelernt, als im Nationaltheater für Puccinis „Il tabarro“ geprobt wurde.

Fischer-Dieskau (1925-2012) debütierte 1952 an der Staatsoper, und zwar als Jochanaan in der „Salome“ von Strauss. In fünf Jahrzehnten interpretierte er hier rund 20 Partien, darunter Mandryka (Strauss, „Arabella“), Barak (Strauss, „Die Frau ohne Schatten“), Graf (Mozart, „Le nozze di Figaro“), Amfortas (Wagner, „Parsifal“), Hans Sachs (Wagner, „Die Meistersinger von Nürnberg“) und die Titelpartien von „Gianni Schicchi“ (Puccini) und „Falstaff“ (Verdi). Der Höhepunkt dürfte aber 1979 die Uraufführung der Oper „König Lear“ gewesen sein. Aribert Reimann hatte diese Shakespeare-Oper auch auf Anregung Fischer-Dieskaus geschrieben und ihm die Titelpartie in die Kehle komponiert.
MARKUS THIEL

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