Andreas Beck, Intendant des Residenztheaters. © Meister
Eine Spielzeit voller Münchner G’schichten. Das kündigt Intendant Andreas Beck für die kommende Saison am Residenztheaters an. Doch keine Angst, so volkstümelnd und „mia san mia“, wie sich das vielleicht im ersten Moment anhört, wird die Sache nicht. Und so findet sich neben Horváths Dauerbrenner „Kasimir und Karoline“, für den Regisseurin Barbara Frey zum Saisonstart nach 20 Jahren Abwesenheit ans Haus zurückkehrt, unter anderem auch eine dokumentarische Hommage an die Münchner Jahre von Freddie Mercury, die Michał Borczuch mit dem Ensemble erarbeitet.
Eine ähnlich nostalgische Zeitreise verspricht auch das jüngste Werk von Albert Ostermaier. Er verneigt sich in „Munich Machine“ vor dem 2022 verstorbenen Filmemacher Klaus Lemke und lässt dazu vor der Staatskanzlei ein Ufo in Weißwurstform landen. Was sich aus dieser absurden Grundsituation genau entwickelt, wird man im Februar erleben. Neue Theatertexte wie das „Lapidarium“ von Rainald Goetz stehen auch in der kommenden Saison wieder Seite an Seite mit Literaturadaptionen. So etwa Heinrich Manns „Der Untertan“, der im Oktober die erste von drei Premieren im Cuvilliéstheater markiert. Eine Parabel über Machtstrukturen, deren aktuelle Bezüge man nicht lange suchen muss. Ebenso wenig wie in „Bernarda Albas Haus“ von Federico García Lorca oder Schwabs „Präsidentinnen“.
Stellung zu beziehen, ist dem Intendanten wichtig. Obwohl er betont: „Das Theater führt nicht zu besseren Menschen. Dafür sind wir selbst der Beweis. Aber es regt hoffentlich zum Perspektivwechsel an.“ Sich auf andere Blickwinkel einzulassen und eigene Vorurteile zu hinterfragen, ist daher auch einer der zentralen Gedanken von „Rezitativ“. Einem Text der afroamerikanischen Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison, den Miriam Ibrahim im Marstall inszeniert.
Aufhorchen lässt noch die Verpflichtung des eher in der Oper beheimateten Claus Guth. Er wird zum Jahreswechsel das Musical „Cabaret“ auf die Bühne bringen. Womit das Resi in Konkurrenz zum Gärtnerplatz und dem Deutschen Theater tritt. Aber durch musikaffine Produktionen der jüngeren Vergangenheit dürfte das Ensemble dafür gerüstet sein. Mit dem Ausflug ins Musical öffnet man sich ebenso einem neuen Publikum wie mit digitalen Formaten. Nicht zu vergessen die Familienproduktion „Pippi Langstrumpf“, von der es Inklusions-Aufführungen mit Dolmetschern für Gebärdensprache geben soll, um den Besuch im Resi noch barriereärmer zu gestalten.
Alles in allem eine gesunde Mischung aus traditionellen und innovativen Formaten, wie sie schon in der laufenden Spielzeit gut beim Publikum ankam. Die Auslastung liegt jenseits der 80 Prozent, vor allem bei den Jugendkarten liegt man bereits jetzt über den Zahlen der letzten Saison. „Ein paar Knaller haben wir ja bis zum Sommer noch vor uns“, sagt Beck. So etwa die mit Spannung erwartete Neuauflage des „Brandner Kaspar“, der natürlich weiter im Repertoire bleiben wird.
TOBIAS HELL