Flamboyant

von Redaktion

Holly Johnson feiert die ewigen Achtziger

Münchens ewige Achtzigerjahre-Party geht einfach immer weiter. Gerade hat Bonnie Tyler im Circus Krone verraten, dass sie unverdrossen auf der Suche nach einem Helden ist („Holding out for a Hero“). Und, schwups, schon war er da, einer der großen Helden des Kult-Jahrzehnts: Holly Johnson, Sänger der Synthpop-Pioniere „Frankie goes to Hollywood“, verwandelte die Tonhalle im Werksviertel in einen Freudentempel. Oder, wie es damals hieß: Welcome to the Pleasuredome! Wobei der immer noch flamboyante Engländer verriet, dass er sich seinen Spaß in München mittlerweile eher beim Trachtenkauf holt. Frankie goes to Lodenfrey!

Lässige und rotzfreche 24 war William „Holly“ Johnson, als Großproduzent Trevor Horn seine Band 1984 mit „Relax“ in den Charthimmel schoss. Unwiderstehlicher Elektrosound, dazu Anspielungen, huch, an BDSM und die schwule Lederszene – fertig war der größte nur denkbare Hit, der auch 41 Jahre später das nicht mehr ganze junge Völkchen in der Tonhalle zum Tanzen bringt.

Holly himself lässt es mit 65 etwas ruhiger angehen, stakst nicht mehr ganz so elastisch über die Bühne. Aber die Aura ist immer noch zu spüren. Der Sound von „Welcome to the Pleasuredome“ oder „Two Tribes“ rummst wie eh und je. Seine Solo-Hits wie das schunkelige „Americanos“ kommen auch bestens an. Das macht Spaß, auch wenn es längst nicht mehr um Revolution und Provokation geht – sondern nur noch um eine gediegene Retrosause. Und mit seinem Lieblingssong beweist Holly Johnson am Ende, dass das hinreißend schönste „The Power of Love“ der 80er Jahre definitiv nicht von Jennifer Rush stammte.
JÖRG HEINRICH

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