Was für eine Wiederaufnahme! John Neumeiers „Illusionen – Wie Schwanensee“ (1976, Hamburg-Ballett) nach neun Jahren wieder auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters. Das Staatsballett in Hochform, subtil das Staatsorchester unter Gavin Sutherlands Tschaikowsky-Einfühlung, das Publikum in Glücks-Trance. Der finale Beifall gesteigert zum Orkan, als Neumeier sich zum Ensemble gesellt. Entlang seiner Geschichte erleben wir Bayerns kunstbesessenen König Ludwig II. in seinem Wahn, er sei Prinz Siegfried in „Schwanensee“. Jakob Feyferlik ist geradezu olympisch in dieser darstellerisch, technisch und kraftmäßig extrem fordernden Rolle. Ein großartiges Debüt wie auch die Auftritte von António Casalinho, Ksenia Shevtsowa, Madison Young und Margarita Fernandes. Weitere Debüts wären zu nennen, zu loben auch das traumschöne weiße Corps de ballet, die hervorragend getanzten folkloristischen Tänze. Dieses Meisterwerk, ja, einer vergangenen Ära wünscht man sich bald wieder im Programm. Jetzt nur noch am 28., 30., 31. Mai.
MALVE GRADINGER